Runder Geburtstag der „Roten Königin“

von Redaktion

Orgelmittwoch in Kolbermoor feiert zehn Jahre Bestehen mit Händel und Mozart

Kolbermoor – Vor zehn Jahren ist die Frenger & Eder- Orgel in der Kirche Wiederkunft Christi in Kolbermoor aufgestellt worden. Seitdem dominiert die „Rote Königin“, wie sie wegen der auffallend roten Farbe genannt wird – im Gegensatz zur „Weißen Königin“ in der Dreifaltigkeitskirche – die Kirche, in der es jeden ersten Mittwoch im Monat den „Orgelmittwoch“ gibt. Diesen zehnten Geburtstag wollte Gerhard Franke, der Organist und Kirchenmusiker dieser Kirche, der den Orgelbau und die Finanzierung organisiert und den „Orgelmittwoch“ und die Konzertreihe „pizzicato“ dafür gegründet hatte, ordentlich feiern.

Dazu hatte er das Kolbermoorer Kammerorchester eingeladen und als Dirigentin dafür Cornelia von Kerssenbrock gewinnen können, seine Studienkollegin am Mozarteum Salzburg. Doch am Anfang stand Orgel solo, nämlich Bachs Präludium in D-Dur BWV 532, das Franke fröhlich rauschend spielte. Ein bisschen Aufgeregtheit ob des festlichen Geburtstages war ihm anzumerken. Im festlich-fröhlichen Dur standen auch fast alle anderen Werke, so auch die drei Kirchensonaten von Mozart in C-Dur, wechselweise mit Pauken, Trompeten, Hörnern oder Oboen. Cornelia von Kerssenbrock sorgte beim Orchester für befeuerten Schwung und melodiöse Eleganz, Franke an der Orgel für reine Spielfreude, einmal baute er sogar ganz unauffällig „Zum Geburtstag viel Glück“ ein: ein Geburtstagsständchen für und auf der Orgel mit und in Mozart. Im Orgelkonzert F-Dur op. 4/4 von Georg Friedrich Händel ist das Orchester nur die Folie für den triumphierenden Auftritt der Orgel, die mit vielen jubilierenden und tirilierenden Spielfiguren glänzen darf, was Franke mit Wonne tat. Ganz allerliebst und galant ist das Flöten-Konzert von Christian Heinrich Rinck. Im steten Wechsel der Manuale stehen Flötenmelodien gegen Aliberti-Bässe oder Vollharmonien, was Franke viel Raum für virtuose Darstellung gab. Jubelmusik ganz anderer Art, diesmal in Moll, bietet das Concerto op. 100 von Marco Enrico Bossi, in dem gleich vier Hörner mitspielen. Die Orgel liefert sich in dem ausgewählten 3. Satz ausdrucksvolle Dialoge mit der Bratsche und einem Horn, alles klingt spätromantisch aufgeregt und steigert sich dann gewaltig ins Schluss-Furioso: Gerhard Franke ließ die Geburtstags-Orgel ordentlich rauschen und brausen. Weil der im Stehen gespendete Beifall nicht enden wollte, gab Gerhard Franke noch die Toccata aus der „Suite Gothique“ von Léon Boëllmann drein.

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