Von Bach über Chaplin bis zu Piazzolla

von Redaktion

Jubiläumskonzert „Zehn Jahre Klassik im Krippnerhaus“ im Wasserburger Rathaussaal

Wasserburg – Vor zwei Jahren sollte das Jubiläumskonzert steigen: „Zehn Jahre Klassik im Krippnerhaus“. Nun hatte aber Corona ebenfalls Regie geführt, und so wechselte man aufs Jahr 2022 und von Edling nach Wasserburg in den Rathaussaal. Die Hausmacht der Interpreten stellte Familie Hanusch: die Mediziner Yume (Klavier und Tanz) und Peter (Violine) sowie deren Kinder Mayumi (Violine und Tanz) und Rafael (Violoncello und Technik). Zudem arrangierte Yume Hanusch die Musikstücke für ihr Ensemble und brachte sie auf kammermusikalischen Hochglanz.

Aus einem Notfall wird ein Glücksfall

Je mehr Akteure, umso störanfälliger wird die Organisation: Vier Tage vor dem Konzert sprang für die erkrankte Marija Hackl der junge Norman Spaeth ein, gebürtiger Rosenheimer und Student am Mozarteum. Ein Glücksfall, denn dieser Geiger hatte sich mit den kniffligsten Partien herumzuschlagen, seien es die rasanten Czardas-Klänge eines Vittorio Monti oder die Akrobatik ohne Netz bei Paganini. Extra Beifall!

Weitere Mitwirkende: Angela Büsel, die mit ihrem Bratschen-Solo vergessen ließ, dass in Ennio Morricones Musik aus dem Film „The Mission“ eigentlich die Oboe klingen müsste. Birgit Saßmannshaus (Violoncello) ist ebenfalls in der Region eine feste Größe. Sie gestaltete ihre Soli mit beseelter Wärme und inniger Intensität, etwa in Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ oder in den beiden köstlichen Stücken von Charlie Chaplin „Limelight“ und „Crossing the Dance Floor“, bezaubernde Piécen eines genialen Komikers, der keine Noten lesen konnte! Schieben wir gleich nach, dass auch Rafael Hanusch, 16-jährig, die Melodie von „Hymne à l’amour“ von Edith Piaf mit edlem, geschmeidigem Cello-Ton zum Blühen brachte.

Einige der Stücke erforderten noch zusätzliche Klangeffekte. Da war Christine Krebs in ihrem Element. Mit Akkordeon und Percussion grundierte sie farblich sowohl die Piaf-Chansons als auch den fetzigen „Libertango“ Astor Piazzollas. Der Wasserburger Peter Ludwig war mit dem brillanten Tango „Zirkus“ in der Fassung für das Turmalin-Quartett vertreten. Mit dem bewusst von Ludovico Einaudi eingesetzten monotonem Glockenspiel-Ostinato ließ Christine Krebs uns bei „FLY“ schwerelos in den Lüften schweben. Michael Atzinger hatte die lohnende Aufgabe, moderierend und kommentierend einzugreifen, auf Querverbindungen zu Literatur oder Malerei, ja auch auf die Tanzkunst hinzuweisen, denn das Motto der Veranstaltung hieß ja „Musik im Dialog“. Zwei Programmpunkte boten Yume und Mayumi Hanusch die Gelegenheit in bewundernswerter Körperbeherrschung die Musik von Edvard Grieg und Philip Glass in ausgefeilter Choreografie zu interpretieren. Originellster Beitrag zum Motto des Abends war wohl „Paganini im Dialog“ – eine Caprice auf Zeitreise!

Variationen eines Stücks von Paganini

Über vierzig Komponisten hatten sich dieses berühmte Stück vorgeknöpft, um es zu variieren, zu paraphrasieren, damit zu spielen oder zu parodieren. Wir hörten, wie ernst sich Brahms zu Paganini äußerte oder wie übermütig der türkische Komponist Fazil Say diese Caprice spiegelte, bevor der an sich leichtfüßige Ohrwurm mit pompösem Faltenwurf sein krönendes Ende bei Sergei Rachmaninoff fand.

Siebzehn Musikstücke, zwei Pausen und drei Stunden Dauer. Es waren wohl die raffinierte Musikauswahl, die Tänze und die ruhigen, informativen, aber nie lehrhaften Bemerkungen Michael Atzingers, welche die Zeit nicht lang werden ließen. Tosender Beifall eines offenbar nicht ermüdeten Publikums, das mit den „vierzehn Engeln“ aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ verabschiedet wurde.

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