Neubeuern – Eine Sternstunde der Kammermusik war das Konzert des Aris-Quartetts im ausverkauften Schlosssaal von Neubeuern. Mit jugendlicher Frische, technischer Perfektion und einer unglaublichen Ausdruckskraft spielten Anna Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vincens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) Streichquartette von Joseph Haydn, Mendelssohn Bartholdy und Bedrich Smetana.
Den Kopfsatz in Haydns so genanntem „Quintenquartett“ in d-Moll, op 76, 2 interpretierte das Aris Quartett mit einer bezwingenden Rasanz. Beginnend mit dem Glockenschlag von „Big Ben“ entfaltete sich zwischen den Instrumenten ein strenger, oft funkensprühender Dialog, der ganz aus dem Quintenmotiv entwickelt wurde. Im Kontrast dazu verströmte das Andante, dessen schlichtes Thema die erste Violine zu sanften Pizzicati ertönen ließ, einen berückenden lyrischen Zauber. Kennzeichneten das Menuett tänzerische, gleichförmig stampfende Rhythmen und schwankende Stimmungen, spielten die Musiker, die sich stets inspirierend zulächelten, mit virtuoser Leichtigkeit das Finale, das sich zum Schluss zu einem ausgelassenen Wirbel in Triolenbewegung steigerte.
Im f-Moll Streichquartett op. 80 verarbeitete Mendelssohn seine Empfindungen nach dem Tod seiner geliebten Schwester Fanny. Diese in Musik gesetzte Klage interpretierte das Aris-Quartett mit faszinierendem musikalischem Facettenreichtum. Unruhig und nervös klang das Allegro vivace assai, in dem die erregenden Tonkaskaden das Publikum elektrisierten. Das Adagio mit seiner wiegenden Melodik hatte etwas Tröstliches, der wilde Schlusssatz aber, den das Aris-Quartett mit atemberaubender Perfektion und Hingabe spielte, zeigte noch einmal den innerlich zerrissenen, tief erschütterten Komponisten.
Musikalisch schildert Smetana im e-Moll Streichquartett Nr. 1 „Aus meinem Leben“ die wichtigsten Stationen des Komponisten. Die Stimmungsgegensätze von der fröhlichen Verliebtheit des jungen Mannes bis hin zur tiefen Niedergeschlagenheit aufgrund zunehmender Taubheit im Alter brachte das Aris-Quartett packend zum Erklingen. Mal voller lyrischer Zartheit, dann wieder folkloristisch verspielt in tänzerischer Rhythmik, erlebte das Publikum den komplexen Gefühlskosmos des Komponisten.
Verhalten endete das Allegro vivo appassionata, rasant wirbelte der tänzerische Polkasatz, elegisch sonor klang das Cello zu Beginn des Largo sostenuto. Nach anfänglicher tänzerischer Ausgelassenheit wirkte das vom Aris-Quartett mitreißend gespielte Vivace düster und hoffnungslos.
Für den enthusiastischen Beifall bedankten sich die Musiker noch mit zwei duftig-melodischen Stücken aus den „Zypressen“ von Antonin Dvorak. Georg Füchtner