Lichtermeer für scheidenden Dirigenten

von Redaktion

Bewegendes Abschiedskonzert von Michael Kummer in der Badriahalle

Wasserburg – „Finale“ hieß schlicht das Motto beim Herbstkonzert der Stadtkapelle Wasserburg. Geboten wurde jedoch ein beeindruckend stimmungsvoller Höhepunkt an konzertanter Blasmusik, mit dem sich Stadtkapellmeister Michael Kummer würdevoll verabschiedete.

1991 übernahm Kummer als musikalischer Leiter die Stadtkapelle. Einige Jahre später wurde der Dirigent und Musikwissenschaftler dann zum Stadtkapellmeister ernannt. Mit dem Herbstkonzert verabschiedete sich der Musiker aus Leidenschaft von seinen Orchestern und dem Wasserburger Publikum. Nach 31 Jahren geht Michael Kummer in den Ruhestand.

Kapellmeister
bleibt sich treu

Auch zu seinem letzten Konzert als musikalischer Leiter seines Orchesters ist er seiner Maxime treu geblieben: „Dem Publikum soll es gefallen, das Orchester ist in Form gebracht.“ Micheal Kummer hat dies all die Jahre kontinuierlich erreicht. Stets standen für ihn die Professionalität des Orchesters und die Liebe zur symphonischen Blasmusik im Mittelpunkt.

Die Jugendkapelle mit Dirigentin Magdalena Grill eröffnete den Abend mit „Rise of the Firebird“, eine zeitgenössische Komposition im Fanfarenstil von Steven Reineke. Der US-Amerikaner hat das anregende Stück dem Feuervogel mit den glühenden Schwingen gewidmet, einem Fabelwesen der slavischen Mythologie. Anschließend ging es auf eine musikalische Zeitreise, über Frankreich bis hin nach England. Der erste Satz der „Suite Francaise“, komponiert von Darius Milhaud, führte zunächst in die Normandie; dann ging es weiter ins Elsass und schließlich in die sonnige Provence. Das Stück entstand im Kriegsjahr 1944. In seiner Klangsprache spiegelt sich die Stimmung zwischen Verzweiflung und Zuversicht im damals besetzten Frankreich wider. Mit der „Yorkshire Ballad“ von James Barnes, einem Stück, das die beliebte irische Volksweise „Danny Boy“ variiert, verabschiedete sich auch das Jugendorchester von Kummer.
Fast nahtlos erfolgte der Wechsel zum großen Blasorchester unter der Leitung des Stadtkapellmeisters selbst. Die „First Suite in Es“ von Gustav Holst zur Eröffnung war dem Dirigenten ein großes Anliegen, da er mit dem Stück auch sein erstes Konzert in Wasserburg begann. In das fiktive Land Illyrien führten die dreiteiligen „Illyrian Dances“ von Guy Woolfenden. Eigentlich wurde das Stück für die Royal Shakespeare Company zur Aufführung von Shakespeares „Was ihr wollt“ komponiert. Längst aber gilt es als Klassiker der symphonischen Blasmusik. Weitere exzellente, zeitgenössische Stücke der Komponisten Jan Van Roost und Alfred Reed (1921-2005) rundeten das Konzert ab. Richtig stimmungsvoll aber wurde es mit „Greensleeves“, einem englischen Volkslied. Die eingängige Melodie entstand im Elisabethanischen Zeitalter um das Jahr 1600. Noch heute zählt es zu den populärsten Liedern in der Geschichte Großbritanniens.

Die Begeisterung im Publikum erreichte schließlich ihren Höhepunkt. Gewohnt präzise hatte Michael Kummer das Ende des Konzertes schon angekündigt. Doch statt der üblichen zwei Zugaben ergriff zunächst Orchestermitglied Andreas Burlefinger das Mikrofon.

Danksagungen für
herausragende Arbeit

Als langjähriger Wegbegleiter von Michael Kummer oblag es ihm, sich mit einer humorvollen und zugleich bewegenden Laudatio im Namen aller Musiker vom Orchesterchef zu verabschieden. Auch Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl dankte dem scheidenden Stadtkapellmeister für seine stets herausragende Arbeit. Auf die erhofften zwei Zugaben musste das Publikum natürlich dennoch nicht verzichten – diesmal mit stehenden Ovationen und einem Lichtermeer für einen ganz besonderen Dirigenten.

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