Söllhuben – An der Jahreszeit orientiert, ansprechend, inniglich und berührend – bot das Konzert „Metamorphosis II“ beim Hirzinger in Söllhuben eine Symbiose aus Liedgesang und Kammermusik.
Die bewegenden „Vier ernsten Gesänge“ und „zwei Lieder“ von Johannes Brahms (1833-1897) sowie die ergreifenden „Michelangelo“-Lieder von Hugo Wolf (1860-1903) wurden vom Klavier-Solo „Metamorphis“ von Philipp Glass (geb. 1937) eingerahmt, das Rondeau brillant in h-Moll, D 895 für Violine und Klavier und die C-Dur-Fantasie, D 934 von Franz Schubert (1797-1828) dazu als Außenklammer.
Stimme, Violine
und Piano in Einklang
Mit Thomas Schütz, Bariton, Elisabeth Heuberger, Violine und Viola, und Christoph Schnackertz, Klavier, gaben sich drei Künstler ein Stelldichein, bei deren intensivem, eindringlichem, zupackendem Zusammenspiel man als Zuhörer kaum zu atmen wagte. Beim Rondeau brillant, D 895 verzauberte Elisabeth Heuberger mit schlanken und feinsinnigen Geigenton. Christoph Schnackertz stand ihr dabei als sensibler, mit nuancenreichem Spiel agierender Partner zur Seite. Die vier ernsten Gesänge, op. 121 von Johannes Brahms zeugten von emotionaler Tiefe und Eindringlichkeit, mit der die beiden Künstler sich und den Zuhörer in eine Einheit von Musik, Sprache und intime Atmosphäre zu versenken verstanden.
„Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh“ (Brahms), das war entwaffnend und unverstellt direkt, „nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen“, das war Gebet und Liebesschwur in einem. Nicht minder ergreifend dann die Zwei Brahms-Lieder op. 91 für Stimme, Viola und Klavier. Schon mit den ersten Tönen von „Gestillte Sehnsucht“ nahm einen der leicht raue, sehr charaktervolle und warme Ton der Viola gefangen, und Brahms‘ unvergleichlich schöne, gefühlswarme Begleitung und Melodik taten ein Übriges. Dazu die exakt richtige Dosierung von Farben und deklamatorischer Prägnanz des Baritons und das eindrückliche, feinfühlige Klavierspiel. Sicher und geborgen fühlte man sich beim „Geistlichen Wiegenlied.“ Die Michelangelo-Lieder von Hugo Wolf waren nicht minder ergreifend. Auch hier beeindruckte Schütz mit natürlich schimmernder Höhe, edlem, unverwechselbarem Timbre und einer druckfreien, kernigen Mittellage. In der Tiefe wurde es hier und da etwas mulmig, aber das war vernachlässigbar. Großartig auch das Dialogspiel von Schnackertz am Flügel. Er drängte sich nicht auf und verstand es feinsinnig, die rein instrumentalen Abschnitte nicht zum Klavierkonzert zu machen. Vor Wut trotzend und fanfarenschmetternd war der erste der drei kraftvoll geformten Gesänge: „Genannt in Lob und Tadel bin ich heute, / Und, dass ich da bin, wissen alle Leute!“ Dem schwermütigen Abschiedsgesang „Alles endet, was entstehet. / Alles, alles rings vergehet…“ folgte unerfüllte Liebe mit „Mich treibt ein Ja und Nein…“ Dazu passte der hypnotisch-repetitive Stil der Glassschen „Metamorphosis 2,“ der die Gesänge einrahmte. Christoph Schnackertz nahm die Zuhörer auf eine Reise mit und wie bei der scheinbar endlos langen Fahrt fühlte man quasi die Veränderung der Landschaft: langsam, fast unmerklich.
Virtuose Höhepunkte zum Abschluss
Den Abschluss machte Schuberts Fantasie in C-Dur für Geige und Klavier. Läufe und Sprünge, Doppel- und Mehrfachgriffe nahm Elisabeth Heuberger derart virtuos, dass einem der Atem stockte, und mit glasklarer Intonation ließ sie ihre Geige singen. Christoph Schnackertz erwies sich auch hier wieder als ebenbürtiger Partner, der ernsthaft, elegant, feinsinnig und leicht sein Instrument gleichfalls zum Singen brachte. Da war es schade, dass nur wenige Zuhörer den Weg nach Söllhuben fanden. Aber: Im kommenden Jahr geht der Konzertreigen mit Nightingale natur/kultur weiter.