„Frohlocket, o Himmel, frohlocke o Erd!“

von Redaktion

Die Volksmusikpflege lädt ein zum Adventssingen in Schloss Hartmannsberg am kommenden Sonntag

Rosenheim – Das Rosenheimer Land und der Chiemgau waren noch im 19. Jahrhundert sehr reich an eigenen Liedern im Advent und in der Weihnachtszeit. Diese regional und auch mundartlich gefärbten Gesänge erklangen zum Beispiel in Familien, in Dorfgemeinschaften, bei Engelämtern, in der Kirche von den Kirchensingern oder allgemein vor der mitternächtlichen Christmette beim „Vormettensingen“. Aber auch in den winterlichen Bräuchen wie dem Klöpfeln, der Herbergsuche und dem Frauentragen hatten diese Lieder neben Sprüchen und Gebeten ihren Platz.

Ein besonderer Platz für die eigenen regionalen Advent- und Weihnachtslieder waren die Adventspiele, die die einfachen Leute umherziehend in Bauernhöfen oder Wirtshäusern, teils auch in Kirchen aufführten. Die „Kumedi-Spiele“ hatten einzelne Szenen wie die „Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies“, die „Ankündigung des Messias durch die Propheten“ des Alten Testaments, die „Verkündigung des Engels an Maria“ und die „Reise von Maria übers Gebirge zur Base Elisabeth“. Natürlich handelten die meisten Szenen oder Szenenfolgen der einfachen Leute von der „Suche nach Herberge“ und der Unterkunft im Stall. Ganz wesentlich waren die Hirten, also die damaligen einfachen Leute, Träger der Handlung: In den „Hirtenspielen“ durfte die wunderbare, von Liedern getragene „Verkündigung der Geburt Jesu durch die Engel“ niemals fehlen, ebenso die damit verbundene Verwunderung der Hirten, deren Aufbruch zum Kinde im Stall, die mitgebrachten Gaben, das „Standerl“ für das neugeborene Gotteskind und die grandiose Freude, die in den Liedern ausgedrückt wurde. Die Münchner Volksliedsammler August Hartmann (1846-1917) und Hyacinth Abele (1823-1916) haben in den 1870er Jahren viele dieser Szenen und Spiele im Rosenheimer Land und im Chiemgau vor allem aus der mündlichen Überlieferung und den Handschriften der „Hirtenspieler“ oder der „Kumedispieler“ aufgezeichnet und somit vor dem Vergessen bewahrt. Denn diese kleinregionale und dörfliche Kultur ist ein wesentliches Element der Gemeinschaftsbildung und der christlichen Glaubensverkündigung auf der Basis der Erzählungen in der Bibel. Unsere Heimat wäre viel ärmer ohne diese Aufzeichnungen. Die Kreisvolksmusikpflege Rosenheim und der „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ mit Sitz in Bruckmühl haben in der von Rosenheim seit den 1980er Jahren ausgehenden Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ eine Vielzahl dieser alten, heimatlichen Szenen, Advent- und Hirtenspiele mit den darin enthaltenen Liedern für den Gebrauch in der heutigen Zeit aufbereitet. Fragen dazu beantwortet gerne Ernst Schusser unter ernst.schusser@heimatpfleger.bayern oder Telefon 0172/8516444.

Am kommenden 4. Adventssonntag, 18. Dezember, um 11 Uhr werden bei einer Adventstunde in der Natur einige Lieder und Szenen in Schloss Hartmannsberg (bei Hemhof, Markt Bad Endorf) wieder neu zum Klingen gebracht. Bei passendem kalten Wetter draußen am See, bei Regen im Schloss stimmen alle in den freudigen Ruf „Frohlocket, o Himmel, frohlocke, o Erd!“ ein. Sänger und Musikanten bringen Lieder und Szenen über die Propheten des Alten Testaments mit der Gewissheit: „Es wird ein Stern aufgehen!“, die Verkündigung des Engels an Maria und natürlich eine typische Hirtenszene aus dem Chiemgau. Bei einigen Liedern sind die Besucher zum Mitsingen eingeladen. Dafür erhalten sie Liederblätter auch zum Mitnehmen nach Hause. Diese kleine Advent-stunde lässt die Besucher voll Freude und Fröhlichkeit auf das kommende Weihnachtsfest blicken. Der Eintritt ist frei. ernst schusser

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