Samerberg/Sachrang – Der Kälte der Pfarrkirche St. Michael in Sachrang trotzten zahlreiche Zuhörer und Zuschauer am vierten Adventswochenende, lockte doch das MusikForum Sachrang mit dem Adventsspiel. Und das szenische Adventskonzert war eine wahrlich berührende und innigliche Einstimmung auf die anstehenden Weihnachtsfeiertage.
Klassische und alpenländische Musik paarten sich in dem Adventskonzert aufs Vortrefflichste, dazu die Texte aus dem Paradeisspiel – stark gestrafft und reduziert auf das Wesentliche von Margit-Anna Süß –, sowie die großartige szenische Inszenierung und die Illumierung mit Licht und Dunkel. Das Paradeisspiel handelt von der Erschaffung der Welt, vom Sündenfall, von der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies und davon, dass die Geburt Jesu neues geistiges Licht in der Menschheit entzündet. Wenn Adam (Maximilian Schellenberger) und Eva (Nora Nettekoven) vor dem (Tannen-)Baum der Erkenntnis stehen und vom rotwangigen Apfel genussvoll abbeißen, dann weiß man, warum die beiden nur schwer widerstehen konnten. Der durchtriebene Teufel (Hansjörg Schellenberger), der erst Eva und somit auch Adam zum Kosten animiert, wird später vom gottgewordenen Menschen (Peter Weiß) von der Kanzel herab zum „Kriechen“ und zum „Staub fressen, dein Leben lang“ verdammt. Großartig gibt Peter Weiß den Propheten, der am Ambo verkündet „und groß ist die Sehnsucht der Menschen nach Barmherzigkeit“, eine Ankündigung, die mit dem vielen warmen Kerzenlicht Wärme, Trost und Hoffnung spendet. Die Musik ist durchgehend allumfassender Begleiter. Die stade Zeit läutete eine Oboen-Improvisation (magisch hier Hansjörg Schellenberger) aus der Sakristei ein. Mit dem „Ave verum“ von W. A. Mozart (1756-1791), einem Quartett von Nikolai Tscherepnin (1899-1977) und einem Menuett von F. Strauss (1822-1905), zart vom Hornensemble Salzburg (Maximilian Schellenberger, Amelie Seiler, Paul Pietzek und Jonas Giva) geblasen, und einem Allegro aus dem Konzert in B-Dur von G.F. Händel (1685-1759), anmutig und elegant hier Korea Nettekoven, wähnten sich die Zuhörer im Paradies.
Mit barockem Duett von Harfe und Hackbrett und mit alpenländischen Weisen (souverän am Hackbrett Johannes Mayer und transparenter Dreigesang der Huber-Dirndln) wurde es irdisch, schwer wiegt die Sünde, das Akkordeon deutet das melancholisch an. Trost, Hoffnung und Licht in der Dunkelheit versprechen Oboenklänge aus der Sakristei und das „In Nacht und Dunkelheit“, das Aurelia
Noichl engelsgleich sang. Mit einer Kerze in der Hand durchschritt sie dabei die Kirche und zündete die vier Kerzen am Adventskranz an.
Advent als Zeit der Freude und der Hoffnung: An der Harfe (Aurelia) erklang „Es wird ein Stern aufgehen“, dem sich die Huber-Dirndln mit Gesang anschlossen, gefolgt vom prachtvoll-majestätisch und von vier Hörnern dargebotenen „Blessing and honor“ aus dem Händelschen Messias. Doch weil noch Advent ist, musste wieder Ruhe einkehren. Und so durfte als Prophet Peter Weiß am Ambo verkünden: „Uns wird ein Kind geboren.“ Der Andachtsjodler – erst von den Huber-Dirndln, dann gemeinsam von Mitwirkenden und Publikum gesungen – in der nur mit Kerzenlicht erstrahlenden barocken Kirche zum Abschluss berührte und erhöhte die Vorfreude auf Weihnachten. Elisabeth Kirchner