Bruckmühl – Einen Tag vor dem Fest „Erscheinung des Herrn“ oder volkstümlich „Mariä Lichtmess“ (2. Februar) lädt die Kreisvolksmusikpflege Rosenheim in der Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ zu einem Abend ein, an dem überlieferte kirchliche und brauchtümliche Lieder gesungen werden. Am kommenden Mittwoch, 1. Februar, um 19 Uhr, gestaltet Eva Bruckner im Büro und der Begegnungsstätte vom „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ in Bruckmühl (Pfarrweg 11) diesen Informations- und Singabend, der auch vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege unterstützt wird. Teilnehmer melden sich an über ernst.schusser@heimatpflege.bayern oder Telefon 08062/8078307.
Der Zuwachs an natürlichem Sonnenlicht zu dieser Jahreszeit war für die früheren Generationen wahrnehmbar und stimmte in den harten Winterzeiten hoffnungsvoll. Auch die heutigen Menschen in ihrer von künstlichem Licht erhellten Welt freuen sich über länger werdende Tage. Eine alte Bauernweisheit besagt, dass an Lichtmess der Tag um eine ganze Stunde länger ist als zur Wintersonnenwende kurz vor Weihnachten.
Im Bauernjahr spielte dieses Fest ebenso eine wesentliche Rolle: Zu Lichtmess wechselten früher die Dienstboten ihre Arbeitsstelle, wenn sie es um Martini angekündigt hatten. Die Woche mit dem Lichtmess-Tag hieß deshalb früher auch „Schlenkelwoche“.
Das Licht nimmt zu: Die Kerzen werden in der katholischen Kirche am Lichtmess-Tag geweiht und erleuchten den Raum. Sie sind das Sinnbild für das Licht. Mancherorts gibt es auch Lichterprozessionen. Die Christen sehen im Jesuskind, dem Gottessohn auf Erden, den Heiland, der den Menschen in dunklen Lebenslagen und Zeiten Hoffnung bringt. „Christus, das Licht der Welt, das uns am Leben hält, Halleluja!“ – so heißt der Refrain eines überlieferten geistlichen Volksliedes.
Im Evangelium des Lichtmess-Tages (Lukas 2, 21ff) wird unter anderem davon berichtet, dass der alte Simeon im Tempel von Jerusalem auf das kleine Jesuskind wartet, das die Eltern Josef und Maria dem jüdischen Glauben folgend in den Tempel bringen. Deshalb heißt das Fest theologisch auch „Darstellung des Herrn“, das kleine Christuskind wird nach jüdischem Ritual in den Tempel gebracht und begegnet dort Personen des alten jüdischen Glaubens, Simeon und Hanna, die das Kind als Licht und Hoffnung der Menschen preisen.
Die Christen feiern das Fest „Darstellung des Herrn – Marä Lichtmess“ 40 Tage nach dem Gedenken der Geburt des Jesuskindes an Weihnachten.
Viele Lieder in der Volksfrömmigkeit der einfachen Menschen im Alpenraum und in Altbayern früher und heute verbinden Licht und Kerzen mit der Hoffnung für die ganze Welt in dunklen Zeiten, wie unser Titellied aus der Steiermark (Neugestaltung EBES 1986).
In einem anderen Lied heißt es nach der Schriftstelle: „Und der alte Simeon ist froh, als er Jesus sieht, nimmt das Kind in seine Arm, singt voll Freud ein Lied: / Du bist unser Heil der Welt, das die Nacht durchbricht! Lange hab ich dich ersehnt, du bist unser Licht! / Freuet euch, freuet euch, Jesus ist das Licht! …“
Einige dieser Lieder haben wir schon 1986 in einem Liederheft der Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ im Bildungswerk Rosenheim und im damaligen Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern erarbeitet. In einer volksmusikalischen Andacht zum Lichtmess-Tag haben wir das Heft zusammen mit dem damaligen Pfarrer Namberger in der Bruckmühler Kirche vorgestellt.
Auch die Teilnehmer des Abends am 1. Februar erhalten dieses Heft und singen gemeinsam daraus. ernst schusser