Wasserburg – Was geschieht, wenn es bekannte Opernfiguren nach Bayern verschlägt, konnte im neuen Programm von „Opern amoi anders“ in Edling erlebt werden. Mundartdichtung und dazu passend arrangierte Opernmelodien sorgten für pures Vergnügen im dortigen Krippnerhaus.
Der erste war Paul Schallweg (1914 bis 1998), der in den 1980er-Jahren Opernlibretti in originelle Mundartverse umgedichtet hat. Dr. Hans Küsters und Max Dietrich sind dem Münchner Kulturmäzen literarisch gefolgt. Auch ihre Opernfiguren stehen für eine höchst vergnügliche Lektüre. Die umgedichteten Handlungsstränge karikieren nicht nur die bairische Kultur und Lebensart. Sie sind oft spannender als jeder Krimi.
Denn wo es um Liebe, Lust und Leidenschaft geht, da ist das Verbrechen meist nicht weit, wie Guiseppe Verdis Oper „Rigoletto“ zeigt.
Herzog Ludovico, der Pizza, Pasta und Mantuas Frauen überdrüssig, verlegt seinen Hofstaat nach Schloss Weikertsham. Ab sofort ist zwischen den Schlössern Haag und Amerang keine Frau mehr vor ihm sicher. Hofnarr Rigoletto möchte das übergriffige Treiben verhindern, zumal es der Wüstling jetzt auf dessen bildhübsche Tochter abgesehen hat. Rigoletto engagiert einen etwas einfältigen Mörder, um den Herzog zu beseitigen. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Statt Ludovico stirbt am Ende Rigolettos Tochter durch gedungene Mörderhand.
„In der Wirtschaft Lutters Keller, da sitzt der Hoffmann bei einem Glaserl Muskateller“. Damit begannen die haarsträubenden Erlebnisse des Protagonisten im Libretto auf Bairisch aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach. In der Tat verbrachte E.T.A. Hoffmann während seiner Berliner Jahre die Abende fast täglich im Weinkeller von Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt, wo er bis zum Morgengrauen zechte. Dort sollen auch, vom Alkohol umnebelt, die Inspirationen zu seinen Meisterwerken der Romantik entstanden sein. So zumindest will es die Legende. Gleich drei Erzählungen, „Der Sandmann“, „Rat Krespel“ und „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“, verschmelzen in „Hoffmanns Erzählungen“ zu einer fantastischen Geschichte, geheimnisvoll, spannend und vorgetragen in brillanter Reimkunst.
Um erotische Verwerfungen ging es dann bei „Così fan tutte“ von Mozart. Hans Küsters und Max Dietrich hatten Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso kurzerhand zu Ferdi, Gust und Fonsi umgetauft. Erstere wetteten mit Fonsi, dass ihre Bräute ein Vorbild an Treue wären. Doch es kam ganz anders. Verkleidet als fremde Edelmänner gelang es Ferdi und Gust jeweils die Braut des anderen in ein höchst amouröses Abenteuer mit Partnertausch auf Bairisch hineinzuziehen. Vorgetragen wurden die Geschichten von den Autoren selbst und Brigitte Oberkandler.
Die Sprecherin verlieh den weiblichen Rollen Schwung und Glanz. Im perfekten Zusammenspiel gelang den dreien eine inszenierte Lesung, dramatisch und unterhaltsam. Doch was wäre ein Opernabend ohne die passende Musik. Die kam vom Wasserburger „Trio Tonale“ mit Ernst Hofmann am Piano, Gerlinde Hofmann am Bass und Stefan Schrag am Saxofon. Statt effektvoller Monumentalklänge gab es zeitgenössische Arrangements bekannter Opernmelodien, darunter auch die weltbekannte Kanzone des Herzogs von Mantua „La donna è mobile“ von Verdi.Wolfgang Janeczka