Kolbermoor – Aus Rennes in Frankreich, wo sie Organistin in der dortigen Kathedrale ist, kam Florence Rousseau angereist für den nun schon 98. Orgelmittwoch in der Kirche Wiederkunft Christi. Mitgebracht hat sie Orgelmusik von Bach und Buxtehude, aber auch englische Orgelmusik, für die sie ein Faible hat, wie sie bekannte.
Allerdings waren diese beiden Stücke nicht sehr aussagekräftig dafür: Die „Pavane“ aus „Lambert’s Clavichord“ von Herbert Howells (1892-1983), der 30 Jahre Musikdirektor an der St-Pauls-Girls‘ School in Hammersmith war, dümpelt spätromantisch vor sich hin, die Passacaglia von Nicholas Ansdell-Evans (geboren 1970) ist in archaisierendem Klang gehalten, entwickelt sich immerhin in großer Steigerung.
Da waren die wirklich barocken Werke schon aussagekräftiger: Frei phrasierend und wie aus dem Moment geboren mit einer flüssig gespielten Fuge bot Florence Rousseau das fantasievolle Präludium in a-Moll von Dietrich Buxtehude dar, dem zwei Buxtehude-
Choralbearbeitungen über „Von Gott will ich nicht lassen“ folgten. Die eine mit vielen Registerwechseln (wobei Judith Trifellner-Spalt assistierte, die ehemalige Organistin in Bad Endorf und jetzige Domorganistin in Salzburg, die Rousseaus Studienkollegin in Lyon war) und der Choralmelodie im Diskant, in gelassener Ruhe gespielt, die andere mit der Melodie im Pedal, bewegter und mit chromatischen Durchgängen versehen. Mit der Ciacona in c-Moll von Buxtehude schloss die Organistin, die das Thema im Pedal gut in das Gesamtklangbild einband.
Aber wieder einmal war Bach der Höhepunkt: Auch er hat den Choral „Von Gott will ich nicht lassen“ bearbeitet (BWV 658), worin ein kleines, überwiegend gen Himmel strebendes Sequenzmotiv im typischen Bach-Rhythmus (zwei Sechzehntel und ein Achtel) dominiert.
Florence Rousseau spielte frei schwingend in natürlich fließendem Tempo bis hin zum verspielten Schluss. rainer w janka