„So lang die wilde Mangfall …“

von Redaktion

Volksmusikpflege Gesellige Lieder auf bekannte Melodien im Fasching „draußn und drinna“

Die letzten Tage vor dem Faschingswochenende waren in unserer Gegend früher immer auch der Geselligkeit und dem lustigen Miteinander gewidmet: Ob auf der Straße mit den im Mangfalltal überlieferten Faschingsfiguren wie der „Hoberngoaß“, dem „Schimmelreiter“ oder dem „Bärentreiber“ – da wurde unter freiem Himmel zur „Katzenmusik“ mit schrillen Tönen getanzt und gesungen. Ob im Wirtshaus oder anderen Geselligkeitsräumen, bei einer „Faschingsgungl“ oder am „ruassign Freitag“ – da ging es hoch her, mit und ohne Masken, wie die ältere Generation erzählt.

„Des war koa Carneval und a koa Faschingssitzung wia im Fernseher“, erzählt ein Ehepaar in einem Ort am Chiemsee, „a Faschingshochzeit aufm Misthaufn hots da oder da amoi gebn – ja, lustig war’s und gsunga ham ma selba gnua und gern! Wer hätt se denn damals a so a Bänd wia heitzutag leistn kenna. Geld ham ma net vui ghabt – aba lustig ham mas uns oiwei gmacht. Gei, Vata, woast as no, wia da Dings …“ – und dann beginnen die persönlichen Erinnerungen herauszusprudeln. Die beiden freuen sich darüber, was sie erlebt haben. Und sie singt: „Wannst in Himme, sagt er, wuist kemma, sagt er, muast a Brotzeit, sagt er, dia mitnehma, sagt er, denn in Himme, sagt er, nauf is weit, sagt er, is koa Wirtshaus, sagt er, weit und breit!“

„Ja“, sagt der ältere Herr, „früher habn ma vier a fünf Wirthäusa ghabt bei uns – aba heit … na, na!“

Immer wieder hören wir bei unseren Gesprächen mit der älteren Generation: Das Geld war knapp, die „Musikbänd“ wäre zu teuer gewesen, so hat man selber gesungen und ein paar Musikanten aus der Nachbarschaft haben einfach gespielt zum Tanzen und zum Singen, „Melodien und Lieder aus dem Hut heraus“ – alles ohne Noten und ohne Papier, nur auswendig und voller Improvisation.

Die Kreisvolksmusikpflege Rosenheim dokumentiert diese Erinnerungen „wie es früher war“. Die meisten Leute erzählen gern davon, und immer wieder entsteht ein ähnliches Bild: Die Menschen haben sich ihre „Lustigkeit“ selber gemacht, in ihrem eigenen kleinen Umfeld, ohne weit auszuholen und teuer einzukaufen. Ganz wesentlich dafür war das gesellige Tanzen, Erzählen und das Singen beim abendlichen Zusammenkommen, beim „Hoagascht“, dem nachbarlichen Heimgarten, in der kalten Jahreszeit „drinnen“ – und wenn’s wärmer geworden ist, auch „draußn“ auf der Hausbank. So will die Kreisvolksmusikpflege Rosenheim heuer auch wieder Gelegenheiten zum geselligen Zusammenkommen „drinna und draußn“ fördern und anbieten, das ganze Jahr über unter dem Motto „Draußn und drinna, mitanand singa“.

Bei Veranstaltungen zum geselligen Singen hilft die Kreismusikpflege Rosenheim gerne. Kontakt: Ernst Schusser, Friedrich-Jahn-Straße 3, 83052 Bruckmühl, Fax 08062/7767505, unter Telefon 01728/516444 nur Anrufspeicher, E-Mail ernst.schusser@heimatpfleger.bayern.

Und natürlich gibt’s jetzt im Fasching auch beste Gelegenheiten zum geselligen, einfachen Mitsingen, zum Beispiel bei den „Montagsingern“ am kommenden Montag, 13. Februar, um 19 Uhr im Gemeinschaftshaus in Oberholzham, Gemeinde Bruckmühl. In der Woche vor dem Fasching gibt es neben bayerischen und deutschen Volksliedern auch ein paar spezielle „geistliche Wirtshauslieder“: In lustiger Weise wird der „Sündenfall“ von Adam und Eva besungen, oder es geht um den „Pater Rupertus“ oder ein paar Schnaderhüpfl über den Herrn Pfarrer – Notenkenntnisse sind nicht erforderlich!

Auch am Rosenmontag dürfen alle mitsingen: Im Wirtshaus „Zum Johann Auer“ in Rosenheim in der Färberstraße gibt es ab 20 Uhr eine lustige Faschingsmusik. Extra am Rosenmontag macht der Toni Sket seine Wirtschaft auf für diesen volksmusikalischen Gesellschaftstag. Wer will, kommt als Maschkara, wer nicht will in Zivil. Wie in den vergangenen Jahren erklingen auch heuer am Rosenmontag wieder regionale Lieder, die der Rosenheimer Gelegenheitsdichter Michl Kämpfl um 1900 auf bekannte Melodien getextet hat, wie das Lied von der „Wilden Mangfall“.

Der „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ und die Kreisvolksmusikpflege Rosenheim freuen sich auf viele lustige Mitsänger: „Lustig is de Fasenacht, wenn mei Muata Krapfn bacht. Wenn sie aber keine bacht, pfeiff ich auf die Fasenacht!“ Ernst Schusser

Artikel 6 von 8