Beethoven für immer

von Redaktion

Herbert Schuch bezaubert das Publikum im Schlosssaal von Neubeuern

Neubeuern – Dass Herbert Schuch kurzfristig für die russische Pianistin Jelena Baschkirowa eingesprungen war, dankten ihm seine zahlreichen Bewunderer im ausverkauften Schlosssaal von Neubeuern bereits vorab mit anhaltendem Beifall. Schuch spielte die drei letzten Klaviersonaten von Beethoven. Spielen ist eigentlich kein angemessener Ausdruck, denn vielmehr schuf der Pianist ein ergreifendes Hörerlebnis, das der Komponist sicher ehrfürchtig bestaunt hätte.

Leuchtkraft und
Ausdruckstiefe

Schuch begann mit der Sonate Nr. 30 in E-Dur op. 109. Bereits den ersten Satz brachte er mit großer Leuchtkraft und Ausdruckstiefe zum Erklingen. Nach lyrisch zartem Beginn spielte der Pianist die Melodiephrase und die sich anschließenden kraftvollen Passagen im Adagio espressivo mit Hingabe und Leidenschaft.

Schuch gelang es meisterhaft, den Klangkosmos Beethovens zwischen ätherischer Zartheit und wuchtigem Dunkel, zwischen Glück und Ekstase erleb- und hörbar zu machen. Das wilde Scherzo im Prestissimo und den gesanglichen Schlusssatz machte er zu einem kaum überbietbaren geistigen Genuss: Zu schweben scheinende, oft geisterhaft anmutende Variationen, farbkräftig wirbelnde Sechzehntelnoten und funkelnd aufsteigende Staccato-Achtel, ein hartes, mehrstimmiges Fugato, rauschende Arpeggien und am Ende ein ruhiger, leise verklingender Schluss. Den schwärmerischen Ton der As-Dur-Sonate op. 110 traf Schuch präzise und einfühlsam.

Beglückend anzuhören war der murmelnde Monolog im Kopfsatz, den Schuch, die Augen oft sinnend geschlossen, mit wunderbar weichem Anschlag gestaltete. Auf andachtsvoll-lyrische Feierlichkeit folgten ein rhythmisch scharf kontrastierendes Allegro molto und tieftraurige Passagen im Adagio.

Mit bezwingender Kraft spielte Schuch die Fuge, deren kunstvolle Figurationen dem Publikum den Atem nahmen. Der Satz gipfelte in einem hymnischen, von Schuch bravourös gesteigerten Schluss. Beethovens Klaviersonate Nr. 32 in c-Moll Op. 111 ist der krönende Abschluss seines Schaffens. In ihr verbinden sich Einfachheit und Tiefe, Diesseits und Jenseits. Schuch spielte das Werk zwischen häufig wechselndem Forte und Piano mit einer unglaublichen Dynamik. Urgewaltig mit mächtiger Steigerung und Akkordschlag entfaltete sich der erste Satz, die Melodie des variationsreichen Arietta-Satzes spielte Schuch hinreißend mit silbernem Klavierklang.

Rauschender
Beifall

Zum Weinen schön waren die funkelnden Ketten der vierten Variation, die eine himmlische Helligkeit ausstrahlten. Die trillerdurchsetzte fünfte Variation endete in melodischer Zartheit und gläubiger Zuversicht scheinbar als Abschied für immer. Erst nach einer kurzen Pause des Innehaltens setzte vom Publikum rauschender Beifall ein.

In Erinnerung an den 2022 viel zu früh verstorbenen Pianisten Lars Vogt spielte Schuch als Zugabe einen Satz von Brahms, dessen getragene und wehmütige Stimmung ergriff.

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