Rosenheim – Gerade mal vier Tage nach dem grandiosen Auftritt des Jazztrompeters Joe Magnarelli betrat wiederholt ein Weltklassemusiker die Bühne im Le Pirate: sein amerikanischer Trompetenkollege Jim Rotondi, der als Stargast im Trio des nicht minder bedeutenden Pianisten David Hazeltine aus New York zusammen mit dem italienischen Bassisten Aldo Zonino und dem österreichischen Schlagzeuger Bernd Reiter für heiße Club-Atmosphäre sorgte.
Schon in der Einstiegsnummer „A Beautiful Friendship“ gab die Band nach einer subtilen Piano-Einleitung volle Bebop-Power, sodass man meinen konnte, sämtliche Energie sei jetzt verbraucht und eine Steigerung nicht mehr möglich. Weit gefehlt! Zwar schalteten die Musiker bei den nächsten Nummern einen Gang zurück, wechselten aber immer wieder zu vitalen Improvisationen, bei denen sie sowohl ihre überragende Virtuosität als auch ihre ausdrucksstarke Ästhetik präsentierten.
Jim Rotondi zog alle Register seiner Trompetenkunst. Selbst in sehr schnellen Stücken wie „Blues For David“ von Buddy Montgomery blies er temperamentvolle wie fingerfertige Läufe, kombiniert mit unorthodoxen Motiven und großen Intervallsprüngen, und glänzte durch Attacken in schwindelnden Höhen. Dann wieder gab er sich verhalten und wechselte zum sanfter klingenden Flügelhorn, beispielsweise in Gus Arnheims entspannt swingender Komposition „Sweet And Lovely“ oder in der durch Billie Holiday bekannt gewordenen Ballade „You’ve Changed“, bei der er im Duo mit David Hazeltine das Thema feinfühlig vorstellte. Hazeltines Ausdrucksspektrum reichte von locker getupften SingleNotes über perlende Tongirlanden, die im elektrisierend exakten Timing über die Tasten liefen, bis zu kochenden Blockakkorden. Rhythmisch differenziert setzte er seine überragende Technik auch bei eigenen Stücken wie „A. D. Bossa“ ein und begleitete kongenial die Soli seiner Kollegen. Dabei wirkte sein Spiel immer entspannt und selbstverständlich, etwa in der Trio-Version von Kurt Weills Komposition „My Ship“, die Cedar Walton, eines seiner Vorbilder, arrangiert hatte.
Die verlässliche harmonische Basis im Walking oder Ostinato lieferte Bassist Aldo Zonino, trat aber auch solistisch hervor und glänzte dabei durch klare Artikulation und bodenständige Präsenz, immer im rhythmischen Einklang mit Bernd Reiter, der dem Pirate-Publikum bestens bekannt ist. Reiter entwickelte nicht nur einen unglaublichen Groove, sondern trommelte expressive Feuerwerke bei seinen Soli, die er mit dezenter Besenarbeit und einem klackenden Schreibmaschinen-Staccato kontrastierte, wie in Hazeltines fulminanter Schlussnummer „Minor Adjustment“ im Up-Tempo zu hören war. Selbstredend, dass bei einem solch mitreißenden Jazzabend die Zugabe nicht ausblieb: In Victor Youngs „Stella By Starlight“ übergab Bernd Reiter Michael Keul, dem Haus-Drummer des Le Pirate, Besen und Sticks.Richard Prechtl