Rosenheim – Die erfolgreiche Konzertreihe „Opern auf Bayerisch“ überzeugt durch den spielerisch-liebevollen Umgang mit dem Genre, einer Mischung aus frischem Wind und bairischer Gaudi. Das Kultur- und Kongress-Zentrum ist fast voll an diesem Abend, viele Zuschauer tragen Tracht.
Auf der Bühne steht ein rustikal anmutender Tisch mit drei Bierkrügen, an dem unter heftigem Applaus Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg Platz nehmen. Und schon geht es los mit einer dramaturgisch sowie musikalisch angereicherten Version von Carl von Webers „Freischütz“, oder auch „Wia a Jaager auf net ganz saubere Weis zu seim Wei kemma is“. Die drei Schauspieler rezitieren die humoristisch gesprenkelte Zusammenfassung des Opernlibrettos in den schönsten bairischen Klängen und wechseln sich hierbei mit dem Blasorchester nebst Schlagwerk und Zitherspieler, souverän und herrlich locker geleitet von Andreas Kowalewitz, ab. Der Maestro sitzt bequem vor seinen Bläsern, dirigiert frei, schwung- und gefühlvoll, gibt die Einsätze mit bemerkenswerter Prägnanz.
Hervorzuheben ist Philipp Jungk mit seinem beachtlichen Sammelsurium an Percussioninstrumenten, darunter bäuerliche Alltagsgeräte. Mit der Bandbreite seiner Künste, den schnellen Wechseln und nicht zuletzt seinem perfekten komödiantischen Timing kreiert er wunderbare kleine Szenen, die sich nahtlos in die Musik einfügen.
Die Anarchie dieser Kompositionen von Friedrich Meyer und Rolf Alexander Wilhelm könnte sogar die überzeugtesten Opernpuristen eines Besseren belehren, denn sie funktioniert. Kaum denkt man, ein Thema aus der betreffenden Oper – es folgen „Die lustigen Weiber von Windsor“ und die gute alte „Zauberflöte“ – erkannt zu haben, spielt das Ensemble plötzlich „Fledermaus“-Anklänge, „In der Halle des Bergkönigs“ oder den Flohwalzer und untergräbt somit alle Erwartungen. Die Musikstile rangieren irgendwo zwischen Oper, Operette, Volksmusik und New-Orleans-Jazz und verschmelzen zu einem überraschend homogenen Geniestreich.
Das Schauspielertrio steht dem in nichts nach. Obwohl – fast – nicht gesungen wird, ist dieser farbenreiche bairische Singsang an sich fast schon als Musik zu bezeichnen. Besonders schön: Lerchenbergs Darstellung des fehlgeleiteten bayerischen Landadeligen in den „Lustigen Weibern von Windsor“ und die Hochdeutsch-Parodien von Anthoff und Glogger. Die drei harmonieren auf höchst authentische Weise, necken einander und haben ihren Spaß.
Anthoff quittiert eine Tanzeinlage der Musiker mit einem lakonischen „Is ja ois eistudiert“. Das Geniale an Paul Schallwegs Mundartversen ist, dass sie die Absurdität der Originallibretti auf den Punkt bringen und in die Extreme ausspielen.
Die Vorstellung ist eine herzhafte Gaudi auf hohem Niveau. Am Ende will das Publikum die Interpreten trotz Zugabe – Stichwort Richard Wagner – kaum gehen lassen. Nicht zuletzt dient „Opern auf Bayerisch“ als Erinnerung daran, dass die Oper kein verstaubtes Ausstellungsstück in einem Museum ist. Sie lebt von der Neuinterpretation und kann großen Spaß machen, wenn man sich darauf einlässt. Vielleicht hat so mancher Zuschauer im Kuko einen Anreiz bekommen, das Genre für sich (wieder-) zu entdecken. Antonia Kuhn