Die Orgel bringt die Passionsstimmung

von Redaktion

Monteverdi-Chor aus München singt in der Kolbermoorer Dreifaltigkeitskirche

Kolbermoor – Eigentlich ist der Monteverdi-Chor München bekannt für seine feine A-cappella-Musik. Bei seinem Passions-Konzert in der Dreifaltigkeitskirche in der Konzertreihe „pizzicato“ brauchte er eine ganze Weile, um auf „Betriebstemperatur“ zu kommen – wenn man ehrlich ist, bis zum Schluss. Anfangs merkte man die Bemühungen um einen ausgewogenen und schwebend-reinen Chorklang, die aber noch nicht ganz fruchteten, trotz der unangestrengten Tongebung.

Am homogensten
klang der Tenor

Am homogensten klang der Tenor, der Bass war bisweilen etwas grobkörnig, im Sopran hörte man die Einzelstimmen durch. Oft hörten sich die Töne gefährdet an. So brauchten die Sänger etwa im Kyrie der Missa brevis von Dietrich Buxtehude eine geraume Zeit, bis sie sich harmonisch „eingroovten“.

Vor allem hatte man den Eindruck des nicht dezidierten, des nicht sicher markierten Klanges. Vielleicht lag’s auch an der gestisch großzügigen Dirigierweise von Konrad von Abel, der die Einsätze oft den Sängern überließ. So sollten doch die beiden Motetten von Heinrich Schütz („Ehre sei dir, Christe“ und „Also hat Gott die Welt geliebt“) lobesfreudiger beziehungsweise glaubenssicherer klingen, so sollte doch die septimakkordgesättigte Motette „Herr, nun lässest du deinen Diener“ von Felix Mendelssohn Bartholdy saftiger in ihrer romantischen Harmonik sein und die musikalische Tektonik in „I was glad“ von Henry Purcell sollte erkennbarer herausleuchten. Und möchte man beim „Exsultate Deo“ von Alessandro Scarlatti nicht die ausgelassene Freude hören, die ja schließlich einkomponiert ist? Für seine Motette „Singet dem Herrn“ schreibt Hugo Distler ausdrücklich vor: „Im Rhythmus so scharf wie möglich“. Das möchte man dann doch hören – obwohl man sah, wie sich die Sängerinnen und Sänger gerade auf dieses Stück freuten. Doch was man hörte, war eher Bemühtheit und ein bisschen Angst vor so viel rhythmischer Schärfe. Doch dann ermannte bzw. erfraute sich gegen Konzertende plötzlich doch der Chor: Die „Tre Motetter“ des dänischen Komponisten Bernhard Lewkovitch aus dem Jahre 1952, die in ihrer Modernität eigentlich hinter dem 1942 gestorbenen Distler zurückstehen, erstrahlten plötzlich in vollem, rundem, wohlgesättigtem Chorklang, und im abschließenden „Os justi“ von Bruckner war dann alles da, was den Montiverdi-Chor sonst auszeichnet: ein voller und warmer Klang, ein sattes Forte und ein schwingender Rhythmus.

Mit schmerzreicher
Harmonik

Zwischen den Chorgesängen spielte Gerhard Franke vier Orgelchoräle des schlesischen Komponisten Moritz Brosig (1815-1887) auf der so deutsch-romantisch gestimmten Orgel: warmblütig, sehr melodisch und mit schmerzreicher Harmonik, kontrapunktisch sicher sind diese kurzen Stücke, von Franke gut markiert und farbenreich registriert: Sie brachten die Passionsstimmung in dieses Passionskonzert.

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