Figurative Arbeiten aus Jura-Marmor

von Redaktion

Interview Der in Breitbrunn lebende Skulpturenkünstler Benjamin Hauer stellt noch bis 16. April in einer Münchner Galerie aus

Prien/München – Der Steinbildhauer Benjamin Hauer, 1973 in Dortmund geboren, hat nach Ausbildungs- und Studienjahren an der Akademie der Bildenden Künste in München seine neue Heimat im Chiemgau gefunden. Sein Atelier befindet sich in Bachham bei Prien, sein Haus in Breitbrunn. Der Chiemgau sei für ihn etwas Besonderes, sagt er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Jahrelang hatte er sein Atelier in der Landsberger Straße in München. Doch irgendwann habe er entschieden: Bewusst raus aufs Land. Jeden Tag steht er im Atelier, wo seine Arbeiten entstehen. Figurative Arbeiten aus Jura-Marmor, der klassischen Antike entlehnt, neu interpretiert und zum Berühren einladend.

Herr Hauer, Ihre Werke muten wie antike Kunst an. Was macht für Sie den Reiz dieser Epoche aus?

Schon als Schüler haben mich die Werke Rodins oder von Giacometti begeistert, selbst heute noch bin ich gern und häufig in der Glyptothek. Für mich strahlen die antiken Figuren Lebendigkeit aus, und die leicht abstrakten Körperformen verleihen den Statuen etwas zeitlos Anziehendes. Schon während meiner Steinbildhauer-Ausbildung durfte ich erfahren, welche besonderen Eigenschaften Marmor hat. Ein Material, das sich für meine Arbeiten insofern gut eignet, weil es sich leicht bearbeiten lässt und meinen Figuren Lebendigkeit und Ausdruck verleiht. Abstrakte Arbeiten zielen aufs Gefühl, aber konkrete Arbeiten finde ich spannender. Da habe ich einen unmittelbaren Zugang. Meine Arbeiten wollen das Körperorientierte neu zitieren, und da finde ich große Formen besonders spannend.

Sie verwenden gern Jura-Marmor. Was ist das besondere an diesem Material?

Die großen Künstler der Antike haben weißen Marmor verwendet. Ich will etwas Neues schaffen, also muss es ein anderer Marmor sein. Der Jura-Marmor mit seinem leichten Beige-Ton strahlt Wärme aus, wirkt also leichter als der weiße Marmor. Jura-Marmor lässt sich leicht bearbeiten, und dank meiner eher untypischen Bearbeitungsweise bekommen meine Skulpturen eine beinahe samtene Oberfläche. Diese soll animieren, den Körper oder den Fuß zu berühren. Sich so meinen Skulpturen anzunähern, ist für mich auch Kunst. Holz finde ich auch ein interessantes Material. Die feinen Schnitzspuren lassen die Skulptur lebendig wirken, aber es ist ein großer Aufwand, das Holz glatt zu machen. Denn die Maserung soll ja bleiben, aber eben auch ihre Ausformung bewahren.

Wie darf man sich Ihren Schaffensprozess vorstellen?

Am Anfang habe ich eine Vorstellung, wie meine Skulptur auszusehen hat. Dafür fertige ich eine Skizze auf Papier oder ein kleines Modell an. Und doch bevorzuge ich es, direkt den Stein zu bearbeiten, ihn mit Meißel und mit mehreren unterschiedlichen Schleifmitteln zu gestalten und zu formen. Das alles geschieht ganz vorsichtig. Schließlich muss ich ja auch auf Bewegung und Proportionen achten. Es ist ein langer Prozess, bis die Figur sich herauskristallisiert. Ich mache alles selbst, d.h. ich schaffe auch die Sockel aus Holz oder Stein. Eiche und Marmor passen für mich gut zusammen, da sie einen guten Kontrast bilden. Wie zum Beispiel der Fuß aus Carrara-Marmor (deutet auf einen wie frisch pedikürten wirkenden Fuß, der im Schaufenster der Galerie ausgestellt ist), der auf einem hölzernen Linden-Kissen ruht. Und doch schwebt seine Ferse. Oder hier die Aphrodite auf einem Eichenblock.

Stehen Sie jeden Tag in Ihrem Atelier?

Seitdem ich nur noch als Künstler arbeite und nicht zusätzlich noch unterrichte, ja. Für mich ist es eine Notwendigkeit. Als Künstler will ich bei meinen Arbeiten sein. Und selbst wenn ich nicht im wahrsten Sinne des Wortes immer Hand an mein Werk lege, kann ich meine Figuren betrachten und auf mich wirken lassen. Für mich ein wichtiger Teil des Schaffensprozesses. Und dass mein Atelier nun im Chiemgau steht, macht noch einmal einen besonderen Reiz aus.

Interview: Elisabeth Kirchner

Bis 16. April

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