Die Lebensreiseeines Rock‘n‘Rollers

von Redaktion

Konzert mit Gitarrist Albert Lee

Obing – Dass der fast 80-jährige, mehrfache Grammy-Preisträger Albert Lee durch seine regelmäßigen Auftritte „Beim John“ eine bekannte Größe in unserer Region ist, zeigte der bis auf den letzten Platz besetzte Saal in dieser Traditionsgaststätte in Obing.

Die Erwartungen des Publikums wurden weit übertroffen. Gleich die ersten zwei Stücke, „Two Step“, eine schnelle Countrynummer, und „Wheels“, eine getragene langsame Ballade, zeigten die enorme Bandbreite im Gitarrenspiel von Albert Lee. Da konnte man nur noch staunen über die atemberaubende Geschwindigkeit seiner Hybrid-Technik, bei der er gleichzeitig mit Plektrum und Fingerpicking die Saiten anreißt. Bei allen seinen langsamen Stücken, viele davon selbst komponiert oder mit internationalen Stars wie Emmylou Harris oder Eric Clapton eingespielt, kommen einerseits seine Klarheit und enorme Sicherheit bei Tonartwechseln oder Akkorden, andererseits seine stimmlichen Qualitäten mit einem sehr angenehmen Timbre zum Tragen. Mehr als 60 Jahre Bühnen- und Studioerfahrung sind eben nicht zu verkennen.

Mit seinen Begleitmusikern, den Brüdern Ali und Iain Petrie (Keyboard und Bass) und dem Schlagzeuger Tim Hillsdon, nahm Albert Lee das Publikum mit auf eine Reise, die bei fast allen Stationen seines musikalischen Lebens und der Zusammenarbeit mit Größen der Rock- und Countrymusik haltmachte: Bei Buddy Holly, seinem frühesten Idol, mit einer betont langsamen Version von „Well All Right“, bei Gram Parsons von „The Byrds“ war man eine Etappe mit dem „Luxury Liner“ unterwegs.

Musikalisches
Duell

Weiter ging es mit John Stewarts „Runaway Train“; man kam zu Ray Charles und den Everly Brothers „Leave My Woman Alone“, war als „Highwayman“ mit Jimmy Webb unterwegs, wechselte mit „Gain Control“, geschrieben für Emmylou Harris, an das Keyboard, steuerte schließlich mit „Rad Gumbo“ immer schneller werdend auf Albert Lees Bravourstück „Country Boy“ zu, bei dem nach jeder Strophe immer raffiniertere Gitarrenläufe, als kurze Soli eingestreut, sich mit dem Keyboard von Ali Petrie ein Duell auf Augenhöhe lieferten und bei den Zuhörern immer wieder Zwischenapplaus auslösten.

Dass am Ende dieser Reise niemand aussteigen wollte und Reiseleiter Albert Lee mit dem Publikum zufrieden war, bewiesen drei Zugaben, wobei Chuck Berrys „Back in the USA“ und Fats Dominos „I’m Ready“ an den Ausgangspunkt der Reise, die Rock-’n’-Roll-Ära der späten 50er-Jahre, erinnerten. Arnulf Lüers

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