Ein musikalischer Frühlingshauch

von Redaktion

Harmonic Brass gibt Konzert im Inntal-Gymnasium Raubling

Raubling – Ganz im Zeichen des neuen Leitbildes des Inntal-Gymnasiums, nämlich der „Vielfalt“, stand die Auswahl der Stücke für den wunderbaren Abend, den das Blechbläser-Quintett Harmonic Brass den Zuhörern bot. Etwa 200 Zuhörer hatten sich in der Aula des Gymnasiums eingefunden, um in den Genuss des bereits zur Tradition gewordenen jährlich stattfindenden Konzertes zu kommen.

„Wir möchten Ihnen Frühlingsgefühle entlocken!“, kündigte Hornist Andreas Binder, der auch als Conférencier durch den Abend führte, den Plan an, wobei der erste Teil des Konzertes größtenteils aus barocken und schweren Stücken bestand. Die Ouvertüre à 5 von Theodor Schwartzkopff eröffnete den Reigen der feierlichen Stücke. Im Allegro des Concerto Es-Dur von Vincenzo Bellini konnte der junge Innsbrucker Posaunist Alexander Steixner mit einem ungewöhnlichen Instrument, nämlich der Altposaune, sein großes Können beweisen. Bei Beethovens berühmtem Klavierstück „Für Elise“ behauptete Hornist Binder mit augenzwinkerndem Charme, dass das Stück ja eigentlich für Blechbläser geschrieben worden sei – erkennbar daran, dass schon so viele Klavierschüler daran verzweifelt seien. Und an das leicht dahin plätschernde Wasser des Inns fühlte sich Moderator Binder erinnert bei Bachs Toccata und Fuge in d-Moll, bei der die Trompeter Elisabeth Fessler und Hans Zellner die Akzente setzten und Instrumente in allen Größenordnungen zum Einsatz brachten.

Anton Bruckners Mottete „Locus Iste“, statt a cappella im Brass-Sound dargeboten, ordnete Binder dem Frühling zu, mit Akkorden, die ihm „einen Schauer über den Rücken“ jagten. Ob damit eher ein Kälteschauer gemeint war? Denn das Stück wirkte für ein Frühlingsstück doch sehr getragen.

Fetziger wurde es dann mit Caprice No. 24 von Nikolo Paganini. Ausgerechnet die Tuba ist hier bei diesem furiosen, schnellen Musikstück das führende Instrument. Musiker Karl-Wilhelm Hultsch zeigte hier nicht nur seine perfekte Technik, sondern bewies auch seine gewaltige Kondition und Blaskraft. Mit dem Paradebeispiel der „Janitscharenmusik“, die die Türken nach Europa brachten, dem berühmten Rondo alla Turca von Wolfgang Amadeus Mozart, wurden die Besucher in die Pause entlassen.

Im zweiten Teil des Konzertes klappte es mit den Frühlingsgefühlen deutlich besser, denn hier fanden sich mehrheitlich modernere Komponisten. Zu Beginn stand ein Satz aus dem Palladio von Karl Jenkins. Wie bei den meisten anderen Stücken hatte auch hier Gründungsmitglied und begnadeter Trompeter der Formation Hans Zellner das Arrangement für Blasmusiker übernommen. Anders jedoch beim folgenden „Concerto Danubio“, denn dieses aus drei Sätzen bestehende Stück hat Trompeterin Elisabeth Fessler selbst geschrieben.

Der humoristischen Interpretation freien Raum lassend, fand Hornist Binder im dritten Satz eine musikalische Darstellung von: „Wie ist das Leben (von Elisabeth Fessler) mit vier Männern auf Tounee?“ Glänzen konnte Fessler auch mit einem Trompetensolo in der „Meditation aus Thais“ von Jules Massenet. Schwungvoll ging es dann in den letzten Teil mit dem Libertango von Astor Piazzolla und dem Traditional „Ty sch mene pidmanula“.

Ein Medley von Queen bildete den Abschluss, bis das begeistert klatschende Publikum die fünf Musiker noch zu einer besonderen Zugabe auf die Bühne holte: Als Walzerformation gab man die „Schöne blaue Donau“, den Strauß-Walzer schlechthin. Erstaunlich, wie elegant man sich auch mit so unhandlichen Instrumenten wie Tuba oder Posaune im Walzertakt drehen kann.

Endlich kam damit auch die schauspielerische Qualität des Quintetts zum Vorschein und damit etwas Partylaune auf die Bühne. Ob es mit den Frühlingsgefühlen klappen wird, mag jeder für sich selbst entscheiden. Doch war es ohne Zweifel ein Abend voller eleganter Blechbläser-Kammermusik, die technisch perfekt vorgetragen wurde.Karin Sönmez

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