Bad Aibling – Der Auftritt des Aris Quartetts in der Reihe „Klassik! Bad Aibling“ war eine Sternstunde der Kammermusik. Unter dem Motto „Folkloristische Einflüsse“ spielten Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) im kleinen Kursaal Streichquartette von Haydn, Schulhoff und Grieg.
Zunächst stand Haydns Streichquartett in d-Moll op. 76/2, das sogenannte Quintenquartett, auf dem Programm. Bereits den Kopfsatz spielten die Musiker mit Leidenschaft und Perfektion. Auf den düsteren Tonfall zu Beginn folgte bald ein heiter-helles Dur. Die Quinten aus dem Hauptthema durchziehen alle Formteile, mal als weitgespannte Quintenmelodie wie zu Beginn, mal als spielerisches Tanzmotiv oder als Kontrapunkt in einem fugierten Abschnitt. Die kunstvollen, oft überraschenden Wendungen brachte das Aris Quartett mit spielerischer Leichtigkeit und Beschwingtheit zum Erklingen.
Das lyrische Andante bestach durch zarte Lyrismen. Schön anzuhören waren nicht nur die tänzerische Melodie der ersten Violine zur Pizzicatobegleitung, sondern auch die mannigfaltigen Modulationen, die dem Satz einen hellen Zauber verliehen. Im Menuett berührte eine schlichte, einprägsame Tanzmelodie, in dem die erste Geige brillierte.
Das Finale, von dem sich Haydns damaliger Schüler Beethoven zum Finale seines c-Moll-Klavierkonzerts inspirieren ließ, interpretierte das Aris Quartett mit stürmischer Rasanz. Auch in diesem zwischen Moll und Dur wechselnden Satz waren die Musiker perfekt aufeinander abgestimmt. Ihr makelloses Zusammenspiel zeigte eine überragende Klangkultur.
Erwin Schulhoff gehörte lange Zeit zu den vergessenen Komponisten. Dabei war der gebürtige Tscheche ein Visionär seiner Zeit, der sich quer durch alle Genres und Strömungen bewegte. Schulhoffs „Fünf Stücke für Streichquartett“ demonstrieren seine Leidenschaft für den Tanz. Hektisch nervös und dissonant war das Allegro, effektvolle Pizzicati, Schläge mit dem Bogen und ein witziger Schluss kennzeichneten Alla valse viennese. Im letzten Stück Alla Czeza bannte das Publikum eine flirrende Ekstase. Dem Aris Quartett merkte man hör- und sichtbar die Freude an der rhythmischen Raffinesse des Werkes an.
Edvard Griegs 1877/78 komponiertes g-Moll-Streichquartett sei, so der Komponist in einem Brief, nicht als Trivialität für schlichte Gemüter gedacht, sondern ziele auf Weite, Flug der Fantasie und vor allem die Klangfarben der Instrumente. Allen vier Sätzen des Werkes liegt ein Mottothema zugrunde, das in der langsamen Einleitung des ersten Satzes vorgestellt wird und nach diversen Modifikationen im Finale wieder auftritt.
Das Aris Quartett brachte die folkloristische, manchmal fast an Salonmusik erinnernde Melodik der Komposition ausdrucksstark zum Erklingen. Im ersten Satz berührte eine zarte, äolische Melodie. Das folgende Allegro molto e agitato begann in hektischer Bewegung mit einem Sechzehntelthema. Filigran und duftig ertönte die Romanze, im Trio berührte ein norwegischer Volkstanz. Den Finalsatz mit seinen häufigen Rhythmuswechseln und Klangkaskaden spielte das Aris Quartett derart mitreißend und elektrisierend, dass im Publikum anschließend begeisterter Beifall einsetzte. Als Zugabe spielten die Musiker noch einen lieblich-melodischen Satz aus Dvoraks „Zypressen“ .Georg Füchtner