Wasserburg – Lieder und Geschichten rund um die Mundart begeisterten bei den 50. Wasserburger Volksmusiktagen im Rathaussaal. Unter dem Motto „Wia uns da Schnowe gwachsn is – gsunga, gspuit und gredt grod aussa“ unterhielt ein musikalisch vielfältiges Programm über die Besonderheiten bayerischer Sprache und Kultur.
Brauchtum und Tradition sind wieder modern. Untrennbar damit verbunden ist die echte Volksmusik. Wie die Tracht ist sie beliebt und so lebendig wie nie zuvor. Anders als ihre „Schwester“, die oft rührselig verkitschte volkstümliche Musik, „schaut sie dem Volk aufs Maul“. Traditionell sind ihre Lieder deshalb nicht immer nur lustig. Mal sind sie traurig, aufrührerisch, auch boshaft – und manchmal sogar ein wenig frivol.
Die Wasserburger Volksmusiktage feiern in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Längst hat sich die mehrtägige Veranstaltung, die auf Bert Lindauer zurückgeht, in der Region als kulturelles Kleinod etabliert. Das Konzert im Rathaussaal ist dabei ein Höhepunkt. Hausherr Michael Kölbl dankte in seiner Begrüßung allen Gästen, allen Interpreten und insbesondere Claudia Geiger. Sie organisiert die Volksmusiktage seit 25 Jahren. 2020 wurde die Volksmusikerin und Lehrerin von der Stadt Wasserburg mit der Heiserer-Medaille für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.
Auch heuer bot die komplett ausverkaufte Veranstaltung wieder einen faszinierenden Querschnitt durch das Genre der traditionellen Volksmusik. Aus dem österreichischen Mühlviertel war die „Kiesenhofer Geigenmusi“ angereist, die mit temporeichen Instrumentalstücken begeisterte. Direkt ins Herz des Publikums sangen sich drei junge Frauen aus dem Chiemgau, Maria Kaiser, Maria Strasser und Lena Wohlschläger vom „Oimbliah-Dreigsang“. Seit 40 Jahren besteht die „Oberlauser Tanzlmusi“ aus Grafing. Bei dem Ensemble mit vier Blechbläsern, Harfe, Hackbrett und diatonischer Harmonika war der Name auch Programm, nämlich „Tanzlmusi“ vom Feinsten. Weit über die Chiemsee-Region hinaus bekannt sind die „Rimstinger Sänger“. Heuer wurde das Trio von einer weiteren exzellenten Stimme unterstützt, nämlich Peter Anderl von den legendären „Inntaler Sängern“.
Der „Wasserburger Löwe“, ein Wanderpreis für den volksmusikalischen Nachwuchs, wurde an das Harfentrio „Flinke Finger“ aus Partenkirchen verliehen – nicht Garmisch, sondern Partenkirchen, wie Sprecher Markus Tremmel betonte. Darauf scheinen die Partenkirchner wohl besonderen Wert zu legen. Dass die Jury hier eine gute Wahl getroffen hat, stellten die drei jungen Harfenistinnen mit ihren Stücken unter Beweis.
Neben einer brillanten Volksmusik kam auch die sprachliche Bildung nicht zu kurz. Markus Tremmel hatte zwischen den Liedern und Musikstücken viel Interessantes und Heiteres zu berichten, vor allem über den Dialekt und die bayerische Sprachentwicklung. Und man mag es kaum glauben, dass das „Hochdeutsche“ nicht von den nördlichen Regionen stammt, sondern eigentlich in Bayern seinen Ursprung hat. Aber als studierter Theologe, Slavist und Politikwissenschaftler muss es der Volksmusikexperte und BR-Moderator schließlich wissen.
Wolfgang Janeczka