Kiefersfelden – Der Name der Ausstellung „Dekitschage“ ist sicher nicht jedem sofort geläufig, aber wer sie gesehen hat, weiß Bescheid. Was steckt nun hinter diesem eigenwilligen Wortspiel? Renata Seidel erklärte das so. „Wir haben eigentlich nur Bilder, Fotografien, Plakate oder andere Objekte vor dem Verstauben auf Dachboden oder Keller gerettet. Dann in unserem Atelier neu kommentiert, verwandelt oder einfach ein bisschen umgestaltet. Das ist sicher keine hohe Kunst, aber für uns war es ein echtes Vergnügen mit vielfältigen Ergebnissen, die ja jetzt zu bestaunen sind. Dazu haben wir bewusst auch den 1. April als Eröffnungstermin gewählt“. Und diese „Ergebnisse“ wollten schon zur Vernissage viele Interessierte sehen. Sprecherin Hilde Prinz war bei der Begrüßung sichtlich überrascht, „denn eigentlich ist das Kitsch, was wir hier gemacht haben, aber die ursprünglichen Originale sind liebevoll und individuell neu in Szene gesetzt“. Auch Bürgermeister Hajo Gruber schlug in diese Kerbe als er andeutete, „Kunst kann halt schon auch mal schiach sein“. Nahezu alle Künstler standen den Besuchern vor ihren künstlerischen Gestaltungen Rede und Antwort. So auch Carolin Labek aus dem benachbarten Tirol. Ihr „Ausgangsmaterial“ war ein Bild mit Blumenmotiv aus einem geschlossenen Hotel, das dort lange Jahre die Wände geziert hatte.
„Was mache ich mit dem Bild?“, stellte sie sich die Frage, zumal der Kunstdruck die Farbe nicht aufnahm. Erst nach verschiedenen Versuchen „und ein paar Tagen Arbeit“ gelang es ihr , das Bild mit verschiedenen Tieren wie Schlangen, Spinnen und schwarze Fleischfliegen zu „verkitschen“. Einen Namen hat sie nicht für ihre Komposition, „aber als ich damals das kitschige Bild hier im Atelier gesehen habe, da musste ich was draus machen“.
Ebenfalls aus einem alten Gasthof kommt ihr zweites Ausstellungsbild, „in klassischem Format und wunderschön eingerahmt“. Ursprünglich war darauf eine etwas kitschige Berglandschaft zu sehen, „die sich dann für mich für eine Farb-Schüttung anbot“. In mehreren Sitzungen wurden teils fingerdick Farben aufgetragen, die dann in der Sonne trockneten und die ursprüngliche Bergwelt mit neuem Glanz und neuem Motiv überdeckten“. So und ähnlich, aber immer wieder ansprechend und originell waren auch die anderen Exponate der ausstellenden Künstler James Clay, Andrea Gasser, Josef Huber, Ruth Murphy, Hilde Prinz, Bernd Richter, Renata Seidel, Ulf Berndt und Hans Prinz. Sei es ein Fragment eines Holzstammes oder filigrane kleine Figuren, wie beispielsweise eine bunt-rosa Kuh, alles wurde neu in Szene gesetzt. Bemalte Vasen wechselten sich ab mit einfachen Gestaltungen, wie eine alte Holzkiste mit geheimnisvollem Inhalt.
Das Auge des Besuchers kam jedenfalls seine Kosten. Und wenn die Intention, die hinter dem Kunstwerk steckte, sich nicht jedem erschloss, der Schaffende selbst gab bereitwillig Auskunft, erklärte seine Gedanken, die ihn animierten und leiteten. Franz Hoffmann