Bad Endorf – Die Kreisvolksmusikpflege Rosenheim öffnet ihre Ausstellung über „Georg von Kaufmann und die Volkstanzpflege in den 1960er- und 1970er-Jahren“ in Schloss Hartmannsberg bei Hemhof morgen, Ostersonntag, von 14 bis 18 Uhr. Die Besucher können in den vier Räumen im ersten Stock des Gebäudes eine Zeitenwanderung von den 1920er-Jahren bis heute erleben:
Von den Grundlagen der Volksmusikpflege in unserer Heimat mit dem Kiem Pauli, Wastl Fanderl, den Trachtenvereinen oder Tobi Reiser geht es im zweiten Raum zu Georg von Kaufmann (1907 bis 1972), der als Forstmann, Sportler, Bergsteiger und Naturliebhaber schon in den 1930er-Jahren zusammen mit seiner Frau Marianne zur Volksmusik und zur Sammlung der dörflichen Volkstänze im Chiemgau gefunden hat.
Eine Vielzahl von Volkstanzkursen und Volkstanzfesten ab den 1960er-Jahren zeugen von dieser neuen Welle der volksmusikalischen Heimatpflege, die ohne die neuen Tanzlmusiken aus Teisendorf, Au bei Aibling, Rosenheim, Inzell, Fischbachau, Kreuth oder Frasdorf nicht möglich gewesen wäre.
Der Blick auf die Gegenwart zeigt die Chancen, die sich mit den leicht zu erlernenden Volkstänzen bieten: Walzer, Polka, Boarischer, Dreher, Hiatamadl, Sautanz, Kreuzpolka, Sternpolka bringen die Lebensfreude, die eine menschliche Gemeinschaft braucht: „Tanz muss Freude machen!“, war das Schlagwort vom „Kaufmann Schorsch“.
Um 15 Uhr lädt Kreisvolksmusikpfleger Ernst Schusser zu einer geselligen Stunde in der Ausstellung ein: „Aufs Tanzn bin i ganga“ heißt es da – mit gemütlichen Liedern zum Selbersingen und Zuhören, dazwischen ein paar Tanzl am Ostersonntag. Wer will, kann auch sein Instrument mitbringen und mitspielen! – Ganz einfach und natürlich erklingen dabei die überlieferten Tanzweisen aus dem Rosenheimer Land.
Um die Tänze und ihre Musikanten, besonders in den kargen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ranken sich viele „Legenden“ und Geschichten. Sie zeigen das Herzblut, das in der Volksmusikpflege steckt.
Einige Erzählungen handeln im damaligen Forsthaus der Familie Marianne und Georg von Kaufmann in Unken: Da geht es um ein gschmackiges Musikantenessen beim abendlichen Hoagarten. Die Knödl der Hausfrau haben es den Gästen angetan – und natürlich das Rehragout. Und schon bald erklingt auf eine alte Tanzmelodie ein neuer Text in der lustigen Runde: „Ja, was gibt’s denn heit auf d’Nacht? Heit gibt’s a Rehragout, a Rehragout, a Rehragout!“ Ein kurzes Gesellschaftslied, das bis heute lebendig ist und vor ungefähr 75 Jahren im Forsthaus der Familie Kaufmann von hungrigen Musikanten „erfunden“ wurde.
Natürlich werden noch weitere gesellige Lieder gesungen, und die Besucher dürfen die Liederblätter der Kreisvolksmusikpflege Rosenheim mit nach Hause nehmen: Das „Loisachtal“ oder „Schau, schau, wias renga tuat“ wurden früher in geselliger Runde in den Tanzpausen oder in der Wirtsstube gesungen, dazu beispielsweise in Ostermünchen auch „Herr Korporal, i bitt recht sche“.
Die Ausstellung mit vielen Bildern kann man gut allein anschauen. Im Anschluss an die gesellige Runde gegen 16.30 Uhr wird noch eine Ausstellungsführung angeboten mit besonderem Blick auf die Personen und Ereignisse in der Stadt und im Landkreis Rosenheim. ernst schusser