Bad Endorf – Am morgigen Sonntag, 23. April, ist die Ausstellung „Georg von Kaufmann und die Volkstanzpflege in den 1960er- und 1970er-Jahren“ der Volksmusikpflege im Landkreis Rosenheim in Schloss Hartmannsberg bei Hemhof (Markt Bad Endorf) wieder von 14 bis 18 Uhr geöffnet. In vier Räumen wird die Entwicklung der Pflege der überlieferten Tänze in den Dörfern im Chiemgau und im Rosenheimer Land mit Fotos und Abbildungen, originalen Dokumenten aus den Landkreisorten in den Vitrinen, handwerklich kunstvoll gestalteten Tanzzeichen, Tonbeispielen und vielen anderen Dingen und Texten dargestellt. Die Ausstellung kann ohne Führung bei freiem Eintritt besichtigt werden.
Die raren Ausstellungsstücke, dankenswerterweise in vielen Formen von den Bürgern zur Verfügung gestellt, ergänzen die Ausstellungstafeln mit Texten und Fotos, die das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern schon in den 1990er-Jahren gestaltet hat. Alle Exponate und Abbildungen dürfen natürlich fotografiert werden. Manche Besucher entdecken sich oder ihre Eltern, Verwandten und Freunde auf den Abbildungen des Tanzgeschehens, zum Beispiel im ehemaligen Hofbräusaal in Rosenheim, beim Volkstanzkurs in Frasdorf oder beim großen Volkstanzfest im Kurhaus Bad Aibling.
Um 15 Uhr bietet die Volksmusikpflege des Landkreises Rosenheim etwas besonderes an: Generationenübergreifend sind Jung und Alt eingeladen, miteinander bei überlieferten Liedern und Bewegungsformen mitzumachen. Ganz leicht für die Füße gehen die Schritte in den alten Kreisformen, aber auch einzeln, in Reihe oder paarweise. Und immer wird auch dazu gesprochen oder gesungen, damit sich die Schrittfolge ganz automatisch ergibt: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, wo ist denn der Hans geblieben? Ist nicht hier, ist nicht da, ist wohl in Amerika!“
Dieses Sprücherl kennen viele von früher – und ganz einfach unterstützt es den in unserer Gegend überlieferten Volkstanz „Siebenschritt“. Singen und Bewegen für Kinder, Familien und Opa und Oma – das macht Freude und ist gesund. Zugleich werden ganz automatisch die alten Bewegungsformen, Rhythmen und Melodien an die junge Generation weitergegeben – ohne Leistungszwang, ohne Vorführeffekt, nur zur eigenen Freude.
Das ist der Inhalt und das Wesen unseres Projektes „Kinder singen gern!“, mit dem die Volksmusikpflege spielerisch die musikalische Überlieferung in gegenwärtigen Formen weitergeben – auch geeignet für Kindergärten und Grundschulen.
Da gibt es ganz viele und lustige kleine und einfache Lieder, auf die es sich leicht bewegen lässt. Der „Gickerltanz“ mit dem Anfang „Bin i net a schena Hoh? – Kikerikiki!“ ist seit vielen Jahren in der erneuerten Form lebendig geworden.
„Rutsch hi, rutsch her, da Schneider hat a Schneiderscher.“ – so beginnt ein lebhaftes Tanzspiel für alle Lebensalter, mit dem Refrain „Schneider, Schneider, meck, meck, meck“ Natürlich ist auch das „Bauernmadl“ oder das „Hiatamadl“ mit passenden Bewegungen dabei.
Alle großen und kleinen Besucher erhalten nach der „Bewegungs- und Sing-stund“ zwei Hefterl, die Eva Bruckner und Ernst Schusser in der Arbeit am Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in den Jahren 2005 und 2007 zusammen mit Hansl Auer in einem Euregio-Projekt „STS – Singen.Tanzen.Spielen“ in Kooperation mit den Salzburger Kollegen erarbeitet hatten. Der jetzige Bezirks-Volksmusikpfleger Leonhard Meixner stellt an diesem Tag eine Anzahl Hefte kostenlos zur Verfügung, solange der Vorrat reicht.
Darin findet sich das bei Buben und Dirndln gleichermaßen beliebte überlieferte Spiellied: „Herr Maier kam geflogen auf einem Fass Benzin.“ Wer dieses Abenteuer miterleben will, wie es dem Herrn Maier ergangen ist bis er endlich im heimischen Bauernhof, im Saustall anlangt – der muss schon am kommenden Sonntag um 15 Uhr nach Schloss Hartmannsberg kommen. Ernst Schusser