Finstere Zeiten des Krieges

von Redaktion

Aleksandra Klitinas Werke zeigen die Schrecken in ihrer ukrainischen Heimat

Bad Aibling – Aleksandra Klitina macht es sich selbst nicht leicht mit ihren erschreckenden Bildern vom Krieg und dessen Betreibern, aber auch der Betrachter muss verarbeiten, was er zu sehen bekommt. Mehr als die in Sekunden vorbeihuschenden Bilder der Fernsehnachrichten prägen sich diese gemalten Werke ein.

Die gesamte Ausstellung ist darauf ausgelegt, das Leben im Krieg und die veränderte Wahrnehmung der Welt zu zeigen. Mit starken Farben und bewusst groben Strichen gestaltet Aleksandra Klitina Bilder in Öl auf Leinwand, die sie alle in den Jahren von 2021 bis 2023 malte.

Bedrohung
gesehen

Über die vor dem Krieg entstandenen Arbeiten sagt sie, dass sie vorausschauenden Charakter besitzen – sie, die Malerin und ihre Landsleute hätten die Bedrohung heranwachsen sehen. Die Werke „Joker“ und „Agent“, beide aus dem Jahr 2021 zeigen zwielichtige Gesichter, aus denen man Unglaubwürdigkeit und Verachtung ablesen kann. Das Gesicht „Russischer Propagandist“ enthüllt den führenden Propagandisten Solowjow, der immer wieder Bundeskanzler Scholz einen Faschisten nennt und der Welt mit Atomwaffen droht. Rot ist die vorherrschende Farbe vieler Bilder, so zum Beispiel in „Putin startet Sondereinsatz“: der sehr korrekt gekleidete Putin sitzt mit unbeteiligter Miene an seinem Schreibtisch, umgeben von einem Meer aus Rot. Das Kunstwerk „Mädchen“ aus dem Jahr 2023 ist der vierjährigen Liza gewidmet, einem der drei Kinder, die im Juli 2022 bei einem russischen Raketenangriff in Vinnitsa getötet wurden. Auch hier wird der unendliche Schrecken – ein Flammenmeer umgibt das Kind – durch Verwendung von grellem Gelb und Rot signalisiert.

Das Werk „Lichtlose Stadt“ zeigt dunkle Gebäude, in denen die Menschen unter ständig wiederkehrenden Stromausfällen leiden. Aber „lichtlos“ kann auch noch in anderem Sinn verstanden werden: „lichtlos“ sind die finsteren Zeiten des Krieges und sind die Personen, die grausam die Kriegsmaschinerie bedienen. „Smoke“, ein eher zartes Bild in Grüntönen, weist hin auf den Rauch, der aus verbrannten Häusern steigt. Und dann das Bild des „Schwangeren Hitler“: ein hochschwangerer Frauenkörper, der den Kopf Hitlers trägt. Dieses Werk ist an der Wand mit einer ausführlichen Erläuterung versehen. Die Künstlerin möchte die Arbeit als Warnung verstanden wissen.

Gibt es auch Anzeichen für Hoffnung? Nun, es gibt den Versuch eines Kusses (Kiss), aber die Distanz ist noch nicht überwunden, grelles Licht steht zwischen den sich nähernden Gesichtern. „Lovers in the Dark“ – zwei Liebende, das Bild vollständig in Blautönen gestaltet, halten sich eng umschlungen, aber ihre Liebe findet im Schutze der Dunkelheit statt, warum auch immer. Die „Frauen in der Sonne“, in Sonnenfarben gemalt, senden ein positives Signal aus, eine Reminiszenz an unbeschwerte Tage, aber vielleicht auch ein aufblitzender Hoffnungsschimmer, dass es einmal wieder so sein wird.

Wann und wo?

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