Musik, die sich nach Frieden sehnt

von Redaktion

Innphilharmonie Rosenheim mit Musik von Beethoven und Haydn

Rosenheim – Gewichtige Brocken, gleichsam einen Doppel-Wumms, hatten sich Andreas Penninger und die Innphilharmonie vorgenommen: Beethovens 7. Symphonie und Haydns „Missa in tempore belli“, die „Pauken-Messe“. Diese beiden Werke zusammenzuspannen ist programmatisch durchaus logisch: Beethovens Symphonie mit dem Trauermarsch als zweiter Satz wurde 1813 bei einem Benefizkonzert für Kriegsversehrte, Kriegerwitwen und -waisen uraufgeführt. Und die Haydn-Messe entstand, während Napoleons Truppen gegen Wien marschierten. Beides ist also Musik, die sich nach Frieden sehnt – und so in der Christkönigkirche wohl am Platz.

Programmatischer
Doppel-Wumms

Allerdings bietet dieser programmatische Doppel-Wumms auch Probleme: Erschlägt nicht ein Werk das andere? In welcher Reihenfolge müssen beide Werke gespielt werden? Und ist eine Kirchenakustik passend für die Symphonie, die doch auch mit Transparenz überzeugen will?

Nun, die Beethoven-Symphonie gelang achtbar, trotz instrumentaler Schwierigkeiten, die jedes Orchester herausfordern. Spannungsreich gestaltete Penninger die lange Einleitung, die Streicher produzierten die notwendige glutvoll-nervöse Unruhe und das punktierte Hauptthema jubelte. Aber nicht ganz geglückt war die Abstimmung innerhalb der Orchestergruppen: Die Blechbläser drängten sich über Gebühr vor, waren nicht dienlich in den Gesamtklang eingebettet – vielleicht eine Folge der extrem halligen Akustik. Und Penninger dirigierte oft mit fast feinsinnigen Gesten, statt den Rhythmus dezidiert zu markieren, den Rhythmus, der ja für diese Symphonie formbestimmend ist.

Dies galt auch im zweiten Satz, dem Trauermarsch, dem Penninger viel Wehmut gab. Das Finale geriet dann wahrlich schwungvoll, wenn auch nicht ganz überschwänglich, aber mit elektrisierenden Streichern. Über diesen unablässigen tanzenden Siegestaumel-Jubel, diese „Explosion kollektiver Seelenenergie“ (Attila Csampai) geriet das zahlreiche Publikum ebenfalls ins hymnische Jubeln.

Hochenergisch begann der Chor dann den zweiten Wumms, die Haydn-Messe, machtvoll und dann wieder demütig flehend waren die „Kyrie“-Rufe. Andreas Penninger, der jetzt wesentlich animierter und animierender dirigierte, hatte ein weihevoll-würdiges Tempo gewählt. Im Gloria wurde es schwungvoller und rhythmisch schwingender, der hörbar sehr gut einstudierte Chor sang mit Herzblut, Freude und großer Hingabe, blockhaft, wo nötig, und freudig bewegt, wenn’s der Text erfordert, das „Suscipe“ war ein einziger Chor-Schrei um Gottes Hilfe. Und sehr erfreulich war die hörbare Kraft des Chortenors.

Im „Gloria“ hat der Bass eine ausgedehnte Arie: Thomas Hamberger sang diese „Qui-tollis“-Arie würdevoll, nobel und lyrisch fließend, innerlich bewegt und die Zuhörer bewegend. Er harmonierte aufs trefflichste mit den anderen Solisten: Barbara Giglmayr-Frandl (die für die erkrankte Diana Fischer eingesprungen war) konnte mit einem warmem Sopran prunken, der Alt von Ruth Volpers war voluminös und tragend, Sebastian Schäfer mischte mit sehr hellem Tenor kraftvolle Hosanna-Rufe ins „Benedictus“.

Leis‘ drohende
Pauke

Hatte schon in diesem „Benedictus“ der Kriegslärm sich instrumental angekündigt, kam er im „Agnus Dei“ mittels der leis drohenden Pauke, die sich fast wie eine Kriegstrommel anhörte, und mittels der Trompetenrufe endgültig. Demütig flehend beginnt dieses „Agnus Dei“ und machtvoll flehend beendeten die Rufe nach Frieden – „dona nobis pacem!“ – diese Messe „in Kriegszeiten“: leider hochaktuell. Und wieder jubelte das sichtlich ergriffene Publikum.

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