Litzldorf – Nicht nur die Kühe haben seit Kurzem wieder ihre Weiden zur Verfügung, sondern auch die Gartler (helles a) sind inzwischen wieder fest beim Zeug und garteln (helles a) in ihren diversen Kräuter-, Gemüse-, Rosen- und Heimgärten. Heimgarten?
Auf Bairisch lautet der Heimgarten, insbesondere am Rand der Alpen, „Hoagaschd“ oder „Hoagascht“, anderswo auch „Hoagartn“. Wo die bärtigen Männer als „baschdad“ bezeichnet werden, heißt es „Hoagaschd“, wo sie „bardad“ sind, heißt es Hoagartn“. Aber was ist ein Heimgarten? Was steckt hinter dieser Bezeichnung?
Zunächst – keine Überraschung – handelt es sich um den Garten vor dem Heim, dem Haus also. Auf Boarisch könnte man vom „Hoamgartn“ sprechen. Aber vor rund 1000 Jahren wurde aus dem „haimgarte“ aus Gründen der Aussprache ein „haingarte“. Und genauso wie beim Rain, bei dem auf guad Boarisch das n verschwindet und später, als das /ai/ zum /oa/ geworden ist, nur noch als Nasalierung hörbar ist, wurde das „Hain“ zu „Hoa“; daher „Hoagartn“, „Hoagaschd“.
Aber beim Hoagaschd steckt noch viel mehr dahinter. Zunächst handelte es sich hier um ein geselliges Nachbarschaftstreffen vor oder im Garten oder am besten gleich auf der Hausbank. In späterer Zeit, vor allem seit dem frühen 19. Jahrhundert, rückte der Heimgarten ins Haus hinein; dort wurde dann a Musi gmacht, vorgelesen und vorgetragen, oder ganz einfach nur geratscht (helles a).
Der Heimgarten ist aber sogar noch ein Stück weiter über seine eigentliche Bestimmung hinausgegangen: Er dient einerseits als Bergname in der Gegend um Ohlstadt, andererseits als Bezeichnung eines Ortsteils in der Gemeinde Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg.
In unserer Region gibt es weitere mit dem Grundwort „Garten“ gebildete Ortsnamen.
Oberhalb von Brannenburg liegt die Einöde Baumgarten. In älteren Zeiten soll es hierzu die Aussprache „Bangert“ gegeben haben. Auch im Raum Kiefersfelden gibt es eine Ortschaft Baumgarten.
Steht der Ortsname Weingarten tatsächlich für die Annahme, wonach im Mittelalter in unseren Breiten reichlich Wein angebaut worden ist? Wegen Weingarten bei Greimharting und Weingarten bei Gstadt kommentiert Hans Meixner in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ folgendermaßen: „Im Codex Falkensteinensis (= Steuerbuch der Grafen von Neuburg-Falkenstein aus dem zwölften. Jahrhundert) wird der Weinbau für unsere Gegend bezeugt durch Naturalabgaben von Weingütern am Inn und Chiemsee“. Allerdings warnen die Namenforscher Joseph Schnetz und Karl Finsterwalder davor, bei manchen Weingärten tatsächlich vom Weinanbau auszugehen. Schnetz: schreibt in „Flurnamenkunde“: „Doch können solche Namen (= Weingarten, Weinberg) auch scherzhaft gemeint sein“; dabei zitiert Schnetz „Weinberg“ bei Oberammergau als Ort „auf ebenem, schlechtem Boden“.
Finsterwalder erwähnt ein tiroler Weingartle, Weingärtle. Für ihn ist dies ein „übertreibender Vergleich für ein sonniges Feld (…), kein wirklicher Weingarten“. Man sieht: Auch bei der Benennung von Flur- und Ortsnamen kam der Humor nicht zu kurz. Dasselbe gilt noch beim „Hoagaschdln“, „Hoagartln“ in griabiger Gesellschaft!