Grassau – Literatur und Musik wunderschön vereint konnten die Besucher beim „Musikalischen Porträt“ von Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms im vollständig ausverkauften großen Kammermusiksaal der Sawallisch-Villa Hinterm Bichl in Grassau erleben. Schon zum dritten Mal las die aus Funk und Fernsehen bekannte Schauspielerin und Moderatorin Sabine Sauer bei der Reihe „Musik und Literatur“ in der Villa.
Kongenial wurde sie musikalisch auf dem Flügel begleitet von der jungen – nichtsdestotrotz bereits weltweit gastierenden – Pianistin Marie-Sophie Hauzel, einer „Grassauerin“, wie der Vorstand der Sawallisch-Stiftung, Paul Bischof, bei der Einführung stolz feststellte. „Musik und Literatur gehören zusammen“, so Bischof. Sabine Sauer betonte zu Beginn der Lesung, dass sie jedes Mal, wenn sie den Grünen Hügel in Grassau betrete, die „Magie dieses besonderen Ortes“ spüre, wie offensichtlich so viele andere Besucher auch, die – einmal da gewesen – immer wieder kommen.
Begleitet vom munteren Vogelgezwitscher draußen entfaltete sich vor den Besuchern eine der bewegendsten Liebesgeschichten aus der Zeit der Romantik. Frau Sauer erzählte von dem mit vielen Hindernissen gespickten Kennen- und Liebenlernen des um neun Jahre älteren Robert Schumann (1810 bis 1856) und Clara Wieck (1819 bis 1896), die wegen ihres fabelhaften Klavierspiels schon sehr früh als „Wunderkind“ gefeiert wurde.
Da Robert hingegen nicht aus so wohlhabendem Hause stammte und sein Jurastudium wegen seiner Passion zur Musik abgebrochen hatte, tat Claras Vater, selbst Klavierpädagoge, alles, um eine Verbindung seiner Tochter mit dem wenig aussichtsreich scheinenden Musikus zu verhindern. Vergeblich – denn in 1840 ertrotzen beide die Eheschließung per Gerichtsbeschluss und bekamen in den nur 16 verbleibenden Jahren ihrer Ehe sieben Kinder.
Bewegend war nicht nur die Liebesgeschichte der beiden, sondern umso mehr die begleitenden Musikstücke, jeweils passend zu den Texten. Marie-Sophie Hauzel am Flügel spielte die zarten, weich romantischen Klänge des Nocturne, das Clara Schumann für Robert nach dem ersten Kuss im Jahr 1834 komponiert hatte. Die Liebesbeziehung, wenn auch schwierig mit vielen Höhen und Tiefen, inspirierte beide in ihrer Musik.
Im Jahr der Eheschließung 1840 komponierte Robert Schumann allein fast 150 Lieder. Zu hören gab es für die begeisterten Zuhörer in der Sawallisch Villa zum Beispiel zwei der „Kinderszenen“ von Robert Schumann, opus 15, „Von fremden Ländern“ und „Träumereien“, komponiert nach der heimlichen Verlobung in 1837.
Nach der Pause der Veranstaltung, in der sich die Besucher trotz kühler Temperaturen auch im Freien aufhalten konnten, spielte die Musik eine größere Rolle als im ersten Teil. Nachdem Clara durch den frühen Tod ihres Mannes allein ihre sieben Kinder aufziehen musste, war ihr der um 14 Jahre jüngere Johannes Brahms (1833 bis 1897), ein guter Freund und Helfer. Viel spekuliert wird bis heute über die Art seiner Beziehung zu Clara Schumann, was wohl im Dunkeln bleibt. Seine 1892 komponierten Intermezzi, opus 117, nannte er „Die drei Wiegenlieder meiner Schmerzen“, die Marie Hauzel in tiefem Ernst, langsam, getragen und sehr ausdrucksstark spielte. Dass sie aber auch sämtliche Facetten des Klavierspiels beherrscht – kraft- und temperamentvoll – zeigte sie in dem Capriccio in d-Moll, Nr. 7, von Johannes Brahms oder bei der Zugabe, einem kurzen Stück von Bedrich Smetana. Auf den anhaltenden Applaus der Zuhörer gab auch Sabine Sauer eine Zugabe aus den „Perlen der Poesie“, wie sie sagte, dem romantischen Gedicht von Friedrich Rückert „Die Blume der Ergebung“, das Robert Schumann dereinst auch vertont hatte.
Christiane Giesen