Kolbermoor – 100 Orgelmittwoche gab es schon in der Pfarrkirche Wiederkunft Christi, beim 101. Orgelmittwoch gastierte der bisher jüngste Organist: Philip Huber aus Traunstein, 20 Jahre alt, der mitten im Abitur steckt und doch Zeit fand für das Konzert.
Viele Preise hat er schon errungen und viele Konzerterfahrungen gesammelt. So groß ist sein künstlerisches Selbstbewusstsein, dass er zwei kurze Werke von Bach spielte und zwei lange Improvisationen von ihm selber: Bach und Huber also. Die Noten spielt er vom Tablet, das Umblättern passiert mit dem Zucken der Mundwinkel.
Die Melismen der Oberstimmen im schwingenden Neun-Achtel-Takt des Bach-Chorals „Kommst Du nun, Jesus, vom Himmel herunter“ BWV 650 hüpfen tanzfreudig und fingerfertig über dem Cantus firmus im Pedal. Das Vivace der Triosonate c-Moll BWV 526 kommt fast energisch stampfend daher mit strukturgebenden Trillern und mit einem Hinterherjagen der beiden Oberstimmen wie ein übermütiges Fangspiel.
Als Themen für die beiden Improvisationen (die natürlich schon notiert waren) wählte Huber zwei Marienlieder, passend für den Marienmonat Mai. Beide begannen festlich prangend, beide spielten reizvoll mit der Farbigkeit der Registratur, die Liedthemen wanderten vom Pedal bis hin zum trompetentönigen oberen Manual, oft lieblich von Figurenwerk umspielt.
Dann wiederum löste Huber die Liedmelodie in spätestromantische Akkorde auf, die schon ins Frühmoderne überlappten, überflutete sie mit französisch anmutenden Harmonien oder kleidete sie in ein prunkvolles Akkord-Gewand mit reichem Faltenwurf.
Rauschendes
Finale
Am Schluss steigerte er sich in ein rauschendes Finale mit vollem Orgelwerk, was natürlich ebenso rauschenden Beifall erntete. Und als einer der wenigen Organisten hielt sich Philip Huber genau an die vorgegebenen 30 Minuten Spielzeit: Ein sehr organisierter Organist war da in Kolbermoor zu Gast.RAINER W. JANKA