Rosenheim – Sie hatte sich in der Region schon etwas rar gemacht, die Violonistin mit ihrer roten Mähne: Martina Eisenreich war vor Jahren stark präsent auf den Musikbühnen, doch der Schwerpunkt des Schaffens hat sich etwas verlagert.
Denn Martina Eisenreich ist eine höchst erfolgreiche Filmmusikkomponistin, 2018 erhielt sie als erste Frau den Deutschen Filmmusikpreis, für den Soundtrack zum Tatort „Waldlust“ von Regisseur Axel Ranisch. Ein Blick auf ihre Website verrät ihre Vielseitigkeit – sie hat die Musik für die Tragikomödie „Nackt über Berlin“ beigesteuert, aber auch zur Serie „Herrhausen – Herr des Geldes“. Umso besser, dass sie Zeit fand, um in der Apostelkirche in Rosenheim für das Kinderhilfswerk Plan live aufzutreten, gemeinsam mit Andreas Hinterseher am Akkordeon und ihrem Mann, dem Perkussionisten Wolfgang Lohmeier als „Überraschungsgast“, der sich zwischen seinem Platz am Mischpult und dem Schlagwerk zweiteilen musste. Meist konzertierten daher Eisenreich und Hinterseher und nahmen die Gäste in der vollen Kirche mit auf eine spannende Musikreise.
Mit einem wehmütigen Tango („Que me quieras“) leiteten die beiden ein und ließen einen Musette-Walzer folgen, in den sie auch ein paar schrägere Töne einfließen ließen. Recht wortreich und unterhaltsam geriet manche Moderation von Andreas Hinterseher, der ja sonst bei „Quadro Nuevo“ mitwirkt. Er erzählte von einer Komposition, die es als Zettel irgendwie von einer Backstage-Umkleide in Worpswede bis nach Tunesien auf einen Dromedar-Ritt geschafft hatte, und mit Lohmeiers wundersamer Lautmalerei an seinem vier Meter hohen Reiseschlagwerk entwickelte sich ein orientalischer Ritt, im typischen Rhythmus dahinschreitend. Temperamentvoll ging es zu in einem Stück des Geigers Stephane Grapelli, darauf folgte eine Hommage ans Kino und an die Poesie: Die Filmmelodie von „Il Postino – der Postmann“ erklang zart in der wunderbaren Kirchenakustik. Hier schlossen sich einmal mehr die Kreise: Der Film wurde ja auf den Liparischen Inseln gedreht, Hinterseher selbst drehte hier den Segeltour-Film über die „Odyssee-Tour“ der Quadros. Eine weitere Geschichte Hintersehers beschrieb eine wilde Verfolgungsjagd von Griechenland aus, die Musiker flüchteten wohl einmal vor einem wütenden Schäfer, was dann freilich mit Lohmeier turbulent vertont und mit viel Rhythmik hochunterhaltsam daherkam. Wer sich erinnert: Beim damaligen „Regenwald“-Ausstellungs-Eröffnungskonzert hatte Lohmeier eine Saujagd im Dschungel Papua-Neuguineas vertont, jetzt ging es um Dromedare und Schafe in wilden Landschaften, ein animalisches Fest für einen Top-Perkussionisten. Die Hörerinnen und Hörer waren begeistert von den vielen klanglichen Überraschungen im Konzert, ließen sich gerne auf die Reise mitnehmen und spendeten reichlichen und herzlichen Applaus. Besonderes Lob verdient auch die ästhetische Lichtgestaltung durch Franz Heller, der passend zu den Stücken die Beleuchtung änderte und seinen Teil zur Gesamtatmosphäre beitrug. Andreas Friedrich