Überhitzte Gemüter und ein Clown

von Redaktion

Die Opernfestspiele Schloss Amerang finden als Festival im Festival statt

Amerang – Belcanto-Galas, der Gesangswettstreit Grandi Voci und auf den Festivalort zugeschnittene Inszenierungen im klassischen Regiestil bestimmen die „Opernfestspiele Schloss Amerang“ als Festival im Festival. Verlorene Ehre, überhitzte Gemüter und ein Clown, der auf Rache schwört: Intendant Ingo Kolonerics (Oper im Berg, Salzburg) setzt diesen Sommer mit den Premieren von „Cavalleria rusticana“ und „I Pagliacci“ (Der Bajazzo) einen Schwerpunkt auf den italienischen Verismo. Im Interview erklärt er, worin der Reiz dieser Werke besteht.

Die „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni zählt zu den erfolgreichsten Opern des 19. Jahrhunderts. Die Uraufführung 1890 in Rom soll für nahezu hysterische Begeisterung im Publikum gesorgt haben. Warum sollte man Ihrer Meinung nach die Premiere auf Schloss Amerang nicht verpassen?

„Cavalleria rusticana“ ist nicht nur voll von großartigen Melodien und Arien, sondern begeistert auch durch eine enorm spannende Handlung mit großen emotionalen Momenten. Nicht umsonst wurden Ausschnitte dieser Oper in berühmten Filmen, wie zum Beispiel „Der Pate“ mit Al Pacino und Robert de Niro, verwendet. Schließlich muss ich auch auf die erstklassige Sängerbesetzung verweisen und das wunderschöne, mediterran-atmosphärische Bühnenbild von Hendrik Müller.

Die zweite Opernpremiere der Festspiele ist mit „I Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo ebenfalls eine veristische Oper. Was macht für Sie den Reiz dieses Genres aus?

Der Verismo ist ein italienischer Opernstil des späten 19. Jahrhunderts, den Puccini, Mascagni und Leoncavallo zur Meisterschaft brachten. Dieser Stil fokussiert auf das Wahre und Wesentliche der Handlung. Er verwendet Ausdrucksmittel, die man bis dahin in der Oper nicht kannte. Auf das Handlungslöcher überbrückende Absingen von Arien wird verzichtet, stattdessen werden diese als emotionale Ausbrüche und Höhepunkte in die Handlung eingebunden. Das Geschehen wird wahrhaftiger. Der „Bajazzo“, so der deutsche Titel von „Pagliacci“, ist ein wahrer Hit des Verismo. Die Geschichte ist ein kompakter 90-Minuten-Krimi, spannend vom Anfang bis zum Ende.

Womit punktet die Oper musikalisch?

Leoncavallo sicherte sich mit der Arie „Lache Bajazzo“ einen Platz in der italienischen Operngeschichte. Obwohl das Intermezzo aus der „Cavalleria“ berühmter ist, liebe ich es im „Bajazzo“ noch mehr. Es gibt ein traumhaftes Liebesduett zwischen Silvio und Nedda. Dieses und der „Prolog des Tonio“ sind Hits in jeder unserer Operngalas. Und der spanische Tenor Joan Lainez in der Titelrolle des Canio – allein er ist es Wert, zu kommen! Er wird das erste Mal in Amerang auftreten.

Mit Fernando Araujo (Silvio) und vielen anderen erstklassigen Sängerinnen und Sängern gibt es ein Wiedersehen.

Mit nur einem beziehungsweise zwei Akten sind beide Opern kurz und werden, um eine abendfüllende Aufführungsdauer zu erreichen, häufig miteinander verbunden. Wäre das auch eine Option gewesen?

Ich empfinde beide Opern hintereinander als zu lange. Lieber eineinhalb bis zwei Stunden mit Pause als dreieinhalb mit Pause. Man muss doch auch die Geschichte und die Musik verarbeiten können. Das wäre ja so, als würde man zwei Filme im Kino hintereinander sehen. Obwohl ich sehr für Tradition in der Oper stehe, finde ich diese nicht richtig.

Sie werden dem Publikum vor beiden Opernpremieren jeweils eine Einführung ins Werk geben. Ist dieses Novum der Kürze geschuldet?

Es ist der Qualität der Werke geschuldet und der Tatsache, dass es Premieren sind. Wir möchten solche Einführungen in Amerang als neue Tradition beibehalten. Wir haben ja Gott sei Dank ein Publikum, dass manche Werke zum ersten Mal erlebt.

Ich finde eine solche Lösung eleganter, persönlicher und besser, als Untertitel einzublenden. Abgesehen davon, schenken wir dem Publikum bereits am 18. Juni einen ganzen Einführungsabend. Auf eine völlig klassische, romantisch altmodische Weise, mit Klavier, Sängern, Sekt und herrlichen Anekdoten und Arien, fast wie in der Wiener Staatsoper in den 1980ern.

Interview: Angela Pillatzki

Tickets

Das Programm der Festspiele Schloss Amerang

Artikel 7 von 9