Seeon – Unter dem Motto der Motette „Herr, auf dich traue ich“ fand in der ehemaligen Klosterkirche St. Lambert in Klosterseeon ein festliches Pfingstkonzert statt. Der Sing- und Musizierkreis Seeon unter der Leitung von Andrea Wittmann erfreute mit einem Reigen von bekannten und unbekannteren Chorwerken und spannte dabei einen Bogen von der Renaissance bis zur Romantik. Die beiden Solotrompeter der Münchner Staatsoper, Johannes Moritz und des Mozarteums, Andras Gergely Gerhardt stimmten gleich zu Beginn mit Händel und „The Arrival of the Queen of Sheba“ sowie „Eternal Source of Light Divine“ auf den festlich-feierlichen Charakter des Konzertes ein. Die Wahl der Komponisten sei mit der Geschichte der Kirche verbunden, sagte die Organistin Andrea Wittmann, die den beiden Solisten sowohl auf der großen Orgel als auch auf der Truhenorgel im Altarraum nicht nur ein sicheres Fundament bot, sondern gemeinsam mit ihnen die Botschaft des jeweiligen Werkes herauskristallisierte.
In seinen einführenden Worten stellte Pfarrer Dr. Florian Schomers die musikalische Feierstunde unter das benediktinische Motto „ora et labora“, zwei Begriffe, die auch für Geist und Körper stehen, so der Geistliche. Der Mensch sei ein geistiges Wesen, der das „ora“, das Gebet, besonders in dieser leistungsorientierten Welt brauche. Musikalisch trat dieses Thema auch in der „Orgelimprovisation und Chor“ zu „Der Geist des Herrn“ auf, und zum Schluss durften die Besucher in einem Chor „Der Geist des Herrn erfüllt das All“ singen und so den Geist auf sich wirken lassen.
Der Wechsel zwischen den Trompetenfanfaren und dem Chorgesang brachte Vielfalt und Perspektivenwechsel ins Programm, so etwa die „Sinfonie de Fanfares“ von Mouret, das Konzert für zwei Trompeten in C-Dur von Vivaldi und der „Auftritt der Priester“ aus „Die Zauberflöte“ von Mozart, dessen Konterfei auf dem Klostergelände zu sehen ist.
Im Kyrie aus der „Missa super II me suffit“ LV 649 von di Lasso baute der Chor viel Spannung auf, nachdem die Stimmregister den Kyrieruf wie das Bild einer aufgehenden Sonne erstrahlen ließen und den Klang dem Kirchenraum übergaben, dessen Architektur der Aufführung eine spirituelle Dimension verlieh. Auch mit de Cristo und seiner Motette „In monte Oliveti“ versetzten die Sänger den Sakralraum in seine Blütezeit zurück. Diese Musik wirkte wie die Wiederentdeckung eines musikalischen Schatzes und erinnerte gleichzeitig an das Gebet von Jesus am Ölberg vor seinem Tod.
Die drei barocken Motetten von Schütz „Herr, auf dich traue ich“, „Also hat Gott die Welt geliebt“ und „Alle Augen warten auf dich, Herre“ fanden ihr Pendant in den drei Chorsätzen von Mendelssohn Bartholdy „Hebe deine Augen auf“ für Frauenchor und dem achtstimmigen „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem Oratorium „Elias“, sowie in „Denn in seiner Hand“. Die Fuge im „Abendlied“ von Rheinberger, das den Emmaus-Gang in Erinnerung bringt, zeigte symbolisch, dass nicht nur die vier Chorstimmen, sondern alle Menschen den Herrn um seine Nähe bitten dürfen. Die Aufführung zeigte eindrucksvoll die Schönheit der Musik und bewies, dass die Werke vergangener Jahrhunderte auch heute noch die Kraft haben, Menschen auf tiefgründige Weise zu berühren. Brigitte Janoschka