Illustre Besetzung spielt mit heißen Rhythmen in den Sommer

von Redaktion

Michael Keuls Samerberger Jazzensemble begeistert mit Latin-Jazz im Rosenheimer Le Pirate

Rosenheim – Trotz des schönen Biergartenwetters war die Jazzbar Le Pirate bis auf den letzten Platz gefüllt, als Michael Keuls Samerberger Jazzensemble unter der Bezeichnung „Cantina Latina“ mit lateinamerikanischem Jazz dort seinen 79. Auftritt hatte. Zur Kernbesetzung mit dem Bassisten Rudi Engel und dem Pianisten Bernhard Pichl hatte der Schlagzeuger Keul noch Tizian Jost am Vibrafon und den aus Panama stammenden Cesar Granados an den Congas geholt.

Als Überraschungsgast kam der Nürnberger Saxofonist Kim Barth, der virtuos die Querflöte spielte, die als Melodieinstrument perfekt mit dem Vibrafon harmonierte. Er konnte an diesem Abend seinen 50. Geburtstag feiern und bemerkte: „No better place to celebrate!“ Von Beginn an spielte diese illustre Besetzung mitreißende Stücke aus dem großen Repertoire des Latin Jazz vom Mambo über Cha-Cha-Cha bis zu modernen Salsa-Versionen. Michael Keul lieferte dazu kenntnisreich und humorvoll Infos und passende Anekdoten. Da gab es etwa Horace Silvers Bossa „Gregory is here“ oder das harmonisch auf der Swingnummer „Topsy“ basierende Stück „Minor Goof“.

In der durch Frank Sinatra und Tommy Dorsey bekannt gewordenen Ballade „I’ll never smile again“ überzeugten die Solisten mit einer ästhetischen Balance zwischen groovenden Doubletime-Läufen und interessanten Motiven.

Einen Höhepunkt vor der Pause bildete die modale Komposition „Afro Blue“ aus dem Repertoire von John Coltrane, bei der vor allem Cesar Granados mit einem ekstatischen Conga-Solo brillierte. Der kubanischen Musikerin und Sängerin Maria Cervantes (1885 – 1981) war das gleichnamige melancholische Stück von Noro Morales gewidmet, gefühlvoll und virtuos interpretiert von Tizian Jost und mit akkordischen Spannungsbögen Bernhard Pichls gestaltet.

Melancholisch erklang dann auch „Besame Mucho“ von Consuelo Velázquez, eines der populärsten lateinamerikanischen Liebeslieder. Zart und einfühlsam stellte Kim Barth auf der Querflöte das Thema vor und überzeugte bei der Improvisation durch eine geschmackvolle Phrasierung, gefolgt von melodiösen Chorussen Rudi Engels.

Aus der Feder des kubanischen Trompeters Mario Bauzá, der zusammen mit Dizzy Gillespie eine Fusion aus kubanischer Musik und Bebop „erfunden“ hat, stammte die offizielle Schlussnummer „Mambo Inn“. Die melodieführenden Instrumentalisten zeigten da nochmals ihre Virtuosität und ihren melodischen Ideenreichtum: Beeinflusst von den Vibrafonisten Milt Jackson und Bobby Hutcherson ließ Tizian Jost seine Mallets stilsicher über die Metallblättchen gleiten, während Bernhard Pichl mit wirkungsvollen Parallelfiguren und akzentuiert gesetzten Akkorden geschmackvoll improvisierte. Feinnervig, bluesig und wendig setzte Kim Barth seine Flötentöne.

Für die rhythmische Gestaltung im Latin-Stil war besonders Cesar Granados verantwortlich, weshalb sich Schlagzeuger Michael Keul solistisch zurückhielt und erst bei der obligatorischen Zugabe „Liberated Brother“ knackige Breaks lieferte.Richard Prechtl

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