„Und’s Häusl is von Grund auf derbaut …“

von Redaktion

Volksmusikpflege Einladung zum „Singen am See“ und zur Ausstellung in Schloss Hartmannsberg – Erinnerung an Georg von Kaufmann

Hartmannsberg – Langsam neigt sich die Ausstellung „Georg von Kaufmann und die Volkstanzpflege in den 1960er- und 1970er-Jahren“ in Schloss Hartmannsberg ihrem Ende zu. Am Sonntag, 11. Juni, ist der letzte Öffnungstag, da spielt dann ab 15 Uhr die „Frasdorfer Tanzlmusi“ schneidig auf.

Aber schon vorher, am Dienstag, 6. Juni, um 19 Uhr gibt es einen weiteren geselligen Höhepunkt zum Mitmachen: Beim „Singen am See“ sind alle eingeladen, miteinander und ohne Zwang zur Perfektion Lieder zu singen, die in der Familie von Kaufmann seit den 1940er-Jahren gebräuchlich waren. Es sind die Lieder der alpenländischen Volksliedpflege, die Frau Marianne von Kaufmann mit ihrem Mann Georg gemeinsam gesungen hat, zweistimmig und zur eigenen Freude, daheim, beim Hoagarten mit Volksmusikanten oder im Kreis der Familie. Im Jahr 1941 hat Marianne von Kaufmann begonnen, eine eigene Liederhandschrift mit diesen Gsangln anzufertigen – künstlerisch verziert mit farbigen Aquarellen. Eine kleine Kostbarkeit ist da entstanden für den in den Krieg abkommandierten Ehemann, zur Erinnerung an gemeinsame Stunden, damals in Ruhpolding. Wer konnte wissen, ob die Soldaten gesund und lebendig aus dem Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs wieder zurück nach Hause kamen? Die Hoffnung war in vielen Familien das einzige, an dem sich Ehefrauen und Kinder festhalten konnten. So ist die Überschrift von diesem handschriftlichen Liederbüchl Programm der Hoffnung auch für viele andere: „Unsere Liedln“ schreibt Marianne von Kaufmann auf das Titelblatt – in Erinnerung an gemeinsame Zeiten der Zweisamkeit beim Singen und in der Hoffnung, dass dies nach dem Krieg wieder so werden wird. Und so hat Eva Bruckner eine ganze Reihe gut singbarer Lieder aus dieser Handschrift ausgewählt und für das „Singen am See“ hergerichtet: Mit dabei ist auch das erste, sehr persönliche Lied in der Handschrift mit dem Anfang „Und s Häusl is von Grund auf derbaut, hat a schwarzaugats Dirndl aussagschaut …“ – ein ganz spezielles Liebeslied. Neben eigenständigen Liedern des Ehepaares sind auch viele gut bekannte dabei: „Und a Waldbua bin i“ oder das Andreas-Hofer-Lied „Ach Himmel es ist verspielt“ – und natürlich auch „Bei da Lindn bin i gsessn“. Bei Regen findet das Singen im Schloss statt – auch die Ausstellung kann schon ab 18 Uhr besichtigt werden.

Auch am kommenden Sonntag ist die Ausstellung in Schloss Hartmannsberg ab 10 Uhr bis um 18 Uhr geöffnet. Wie jeden Sonntag gibt es Gäste, die mit ihrem Wissen und Können die ausgestellten Exponate, die Dokumente in den Vitrinen und die Fotos und Texte vertiefen. Um 11 Uhr erzählen Edelgard Arzberger, Gerhard Tristl und weitere Volkstanzler über die Wasserburger Volkstanzgruppe, die schon 1958 gegründet wurde und die Urzelle für die heutige Volksmusikpflege in Wasserburg war: Tanzen, Musizieren und Singen gehörten zusammen – ebenso wie Volkstanzbesuche in Schottland und Frankreich zur Völkerverständigung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mittags um 13 Uhr bietet die Kreisvolksmusikpflege eine Führung durch die Ausstellung an. Und um 15 Uhr sind unter dem Titel „Woast as no?“ Zeitzeugen eingeladen, ihre Erinnerungen an diese Volkstanzzeiten lebendig werden zu lassen und Erlebnisse zu berichten: Tanzlmusi, Tanzleute und Tanzkurse haben sich bei vielen Volkstanzlern tief in das Bewusstsein eingegraben.

Oft treffen sich die Besucher in der Ausstellung zum ersten Mal wieder seit vielen Jahren und tauschen ihre Erinnerungen beim Anblick der Fotos aus. Ernst Schusser

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