Sinnstiftender Dialog im großen Raum

von Redaktion

Hanni Harzenetter und Cornelia Hinkel stellen bis 25. Juni in Bad Aibling aus

Bad Aibling – Einmal mehr wird in der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus das klassische Konzept „Skulptur und Gemälde“ realisiert. Die Bilder der Kolbermoorer Malerin Hanni Harzenetter und die Figuren der in Niederbayern lebenden Bildhauerin Cornelia Hinkel treffen in dem großen Raum in einem sinnstiftenden Dialog aufeinander. Harzenetters Gemälde sind von jahrzehntelanger Beschäftigung mit der Kunst geprägt. Ihren Wunsch, sich bildnerisch auszudrücken, konnte sie in jungen Jahren nicht so verwirklichen, wie sie es gerne getan hätte.

Landschaften
sind ihr Thema

Aber ab den späten 80er-Jahren begann sie, Kunstkurse an verschiedenen Akademien zu belegen, in Reichenhall, dann auch in Kolbermoor. Sie probierte verschiedene Techniken aus, nach ihren eigenen Worten „zeichnete, radierte, druckte, schüttete, modellierte und malte“ sie. Und manches Ergebnis, das in ihren Augen nicht zufriedenstellend war, wurde und wird rigoros übermalt. Landschaften sind ihr Thema, besonders die Moorlandschaften der Umgebung. Wachstum, Veränderung und Vergehen macht sie zu ihren bildnerischen Inhalten. Das hat zur Folge, dass sich ihre Farbpalette eher im Grau- und Braunbereich bewegt, aber auch mattes Rot und gedecktes Grün kommen vor. Ein großes Bild – nur mit Tusche und Grafit gestaltet – lässt Gedanken an eine karge Moorlandschaft zu, die am Rand von kahlen, grauen Bäumen gesäumt ist. Dieses Gemälde trägt keinen Titel, aber wenn man die Intentionen der Malerin kennt, ist die Zuordnung möglich.

In einer anderen Landschaft – Titel „Moor 6“ – umrunden angedeutete Bäume und Wiesenstücke einen Licht reflektierenden Tümpel. Das ist das einzige Bild, in dem die Malerin Öl auf Leinwand verwendet, bei den übrigen arbeitet sie mit Acryl, Grafit und Tusche – selten einmal auf Holz. Ab und zu glaubt man, Gesichter in einem Bild zu entdecken, aber ganz sicher kann man sich dieses Eindrucks nicht sein. Hanni Harzenetter malt, mit nichts als der Erinnerung an Gesehenes im Kopf, ohne Fotos oder Skizzen als Vorlage. Auf diese Weise bleibt ihr im Wesentlichen das Atmosphärische, Emotionale im Gedächtnis, das dann in ihren Gemälden zum Ausdruck kommt.

Claudia Hinkel antwortet auf die Malerei Hanni Harzenetters mit schlanken, hohen Skulpturen, die abstrahierten menschlichen Figuren gleichen.

„Die Urgewalt des Rauch- und Kapselbrandes zeichnet diese Tonskulpturen“, sagt die Künstlerin.

Objekte im offenen
Feuer gebrannt

Ihre Objekte werden im offenen Feuer gebrannt, was eine sehr eigenwillige Feuerzeichnung auf der Oberfläche hinterlässt. Die Arbeitsmaterialien sind nicht nur Ton, sondern auch Porzellan und Glas.

Ihre Kenntnisse hat Cornelia Hinkel durch ihr Studium an der Staatlichen Fachschule für Keramikgestaltung in Höhrgrenzhausen erhalten, fortgesetzt durch ein Studium am Institut für Künstlerische Keramik und Glas, ebenfalls in Höhrgrenzhausen. Für den Außenraum – sie war am Skulpturenpfad des Kunstvereins Bad Aibling vor einigen Jahren beteiligt – schafft sie nahezu lebensgroße, sehr schmale Figuren. Im Ausstellungsraum der Galerie stehen die circa 40 Zentimeter hohen Objekte auf Sockeln. Die meisten werden als Paar geschaffen, jedoch gibt es auch Einzelfiguren oder Dreiergruppierungen. Sie tragen Titel wie „Macht und Stärke“, „Verwandlung“, „Schwungvolle Begegnung“ oder „Flügelwesen“. Immer ist die Oberfläche kunstvoll gestaltet, Faltenwürfe der Kleider, die bis auf die kleinen, gesichtslosen Köpfe weitergeführt werden, bestimmen das Äußere. Auch werden manchmal geometrische Muster in die Oberfläche geprägt.

Ob die „Flügelwesen“ antiken Göttinnen ähneln oder christlichen Abbildungen, bleibt dem Betrachter überlassen. Zwar bestreiten die Personengruppen den Großteil von Cornelia Hinkels Exponaten, aber einzelne geometrisch geformte Objekte runden ihre Präsentation ab.

So stellt die Arbeit „Orientierung“ eine spielerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen dar. Geschlossene Flächen sind mit Öffnungen versehen, ein Durchblick ist möglich.

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