Eine aufregende Klangreise auf der vielfältigen Orgel

von Redaktion

Der frisch gebackene Preisträger Aaron Voderholzer gibt Konzert in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Prien – Farbenreiche Orgelmusik quer durch fünf Jahrhunderte gab es auf der großen Woehl-Orgel in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Der Priener Organist Aaron Voderholzer spielte reich differenziert und technisch stupend auf. Das Konzert war quasi Generalprobe für ihn, denn demnächst steht seine Bachelor-Prüfung an. Und soviel sei schon jetzt verraten: Sein Orgelspiel war preisverdächtig. Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge in g-Moll, BWV 542, machten den Auftakt. Sorgte schon die festlich erklingende Fantasie für Gänsehautmomente, so nahm die Gestaltung der spektakulären Orgelfuge noch mehr ein: metrisch gerade, transparent und dezidiert artikuliert.

Voderholzers Spiel strahlte Ruhe und Kraft aus. 50 Register, auf drei Manuale und Pedale verteilt, die Ausstattung der großen Woehl-Orgel nutzte Voderholzer auch weidlich bei den weiteren Stücken aus. In „Prelude, Adagio et Choral varie zur le theme de Veni creator“, op. 4, von Maurice Durufle sind Phrasen des Hymnus der Pfingstnovene, eine durchgängige Achtelmotorik, dazu delikate Flöten-, später zarte Rohrblattregister zu hören, denen ein lyrisches Adagio inklusive vox coelestis und später vox humana und cresdendierendem intensiven, überwältigenden Höhepunkt folgt.

Dem Zauber des feinsinnig harmonierten Veni-Creator-Hymnus und seiner vier Variationen – per Pedal, manualiter, als Kanon und als Art Toccata – konnte man sich nicht entziehen. Alle Register ziehen hieß es dann auch bei „Hell und Dunkel“ von Sofia Gubaidulina (geb. 1931). Da treffen sich helle und dunkle Klangfarben, da hört man extrem hohe und tiefe Töne, die das Helle und das Dunkle andeuten, und da vernimmt man grelles Flirren und dunkles Wummern. Kontrastreich, spannend, teilweise an die Hörgrenze gehend und immens eindrücklich. Die Zuhörer der barocken Pfarrkirche konnten da nur ergriffen lauschen und staunen.

Mit Franz Liszts Präludium und Fuge über den Namen Bach – die Anfangsbuchstaben als Eingangsmelodie – endete das Programm. Voderholzer gestaltete das Werk wie von Liszt vorgegeben als „Ausdrucksfuge,“ als gelungene Synthese der Ästhetik verschiedener Epochen, klar, transparent, mit stupender manueller Fertigkeit sowie Pedaltechnik. Beeindruckend, wie Aaron Voderholzer die Reize des Instruments zu nutzen verstand.

Langanhaltender Applaus für den jungen Orgelspieler – dass es da eine Zugabe geben musste, versteht sich von selbst. Mit Barock begann das Konzert und mit dem „Einzug der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Solomon“ von Georg Friedrich Händel klang das Konzert aus. Da vermeinte man das pizzicato der Basso Continuo Gruppe zu hören, das war Prunk und strahlender Glanz.

Aaron Voderholzer hat kürzlich den ersten Preis im Wettbewerb um den Kulturkreis-Gasteig-Musikpreis gewonnen – für seine ausgeprägte musikalische Persönlichkeit. Dem Lob kann man sich nur anschließen. Chapeau und Dank für die Klangreise mit dem aufregenden, unglaublich vielfältigen Instrument Orgel. elisabeth kirchner

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