Im September 1983, also vor 40 Jahren, hat das Oberbayerische Volksblatt Rosenheim mit seinen Heimatzeitungen meine Artikelserie mit geistlichen Volksliedern im Jahreslauf begonnen. Jeweils ein Lied und die dazugehörigen Erklärungen – ob kürzer oder länger – rückten die verschiedenen Feste und Zeiten im Kirchenjahr in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Bei den Lesern sind besonders die Lieder zu den Gedenktagen der heiligen Menschen das Jahr über auf besonderen Widerhall gestoßen: Ob es die bekannten Namen wie Josef, Maria, Anna und Florian, Peter und Paul waren – oder etwas weniger bekannte wie Laurentius, Klara, Vitus oder Monika – bei den Liedern zu diesen „Namenstagen“ war die Rückmeldung groß. Über 130 Beiträge mit Liedbeispielen und beschreibenden Texten hatten sich bis zum Ende der Aktion Anfang Oktober 1984 angesammelt. Manche Leser haben sich die Beiträge aus der Zeitung ausgeschnitten, weitergegeben, gesammelt oder in ein Heft eingeklebt.
Am Pfingstsamstag hatte die Volksmusikpflege im Landkreis Rosenheim ins Schloss Hartmannsberg zu einem öffentlich zugänglichen Singnachmittag mit „geistlichen Volksliedern im Sommer“ eingeladen. Ganz intensiv waren die Teilnehmer dabei – und besonders interessant schienen wieder die Lieder zu den heiligen Menschen zu sein, von denen Eva Bruckner einige aus unserer Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ ausgewählt und auf Liederblättern zum gemeinsamen Singen neu aufgeschrieben hatte.
Auch in den Sommermonaten gibt es viele Gedenktage zu heiligen und seligen Menschen, an denen Namenstage gefeiert werden oder Patronatstage in den Kirchen und Kapellen begangen werden, beispielsweise Bartholomäus in Hittenkirchen (24. August), Irmengard auf Frauenwörth im Chiemsee (18. Juli) – dazu natürlich der Namenstag aller „Sommerhansl“ (Johannes der Täufer) demnächst am 21. Juni. Während und im Nachgang zum Singnachmittag in Schloss Hartmannsberg haben mich mehrere Informationen und Hinweise zu den Liedern erreicht. Das ist besonders interessant, da um 1980 im Bildungswerk Rosenheim die Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ mit Sing- und Fortbildungstagen gestartet ist – ungefähr eine Generation nach den ersten Singtagen mit Advent- und Weihnachtsliedern, die der Kiem Pauli (1882 bis 1960) im Jahr 1951 in Rosenheim in Kooperation mit Rosl Brandmayer (1905 bis 2000) vom Bildungswerk und dem Kirchenmusiker Fritz Kernich (1907 bis 1986) begonnen hatte. Auch die OVB-Serie mit den Liedabdrucken 1983/1984 war Thema der Rückmeldungen: Ob denn nicht so etwas auch in der Gegenwart machbar und sinnvoll wäre, wurde angeregt.
Manche Menschen haben sich von der Amtskirche abgewendet – ihren Glauben leben viele aber weiterhin, ganz persönlich und mit den Möglichkeiten der privaten Volksfrömmigkeit. Aus dieser Frömmigkeit der einfachen Menschen sind in früheren Generationen die heute sogenannten „geistlichen Volkslieder“ erwachsen – abseits von den „offiziellen“ Kirchenliederbüchern und den Vorgaben der Kirchenverwaltung und Theologie: Einfach und verständlich in der Sprache und mit eingängigen Melodien haben diese Lieder bis heute die Inhalte der „Frohen Botschaft“ in das Leben, die Bräuche und den Glauben der Menschen in unserer Heimat übersetzt.
Wenn Sie, liebe Leser, geistliche Volkslieder zum Selbersingen, zu den Kirchenzeiten im Jahr oder zu den Namensfesten suchen, melden Sie sich bitte bei der Kreisvolksmusikpflege Rosenheim (ernst.schusser@heimatpfleger.bayern) oder per Post bei Ernst Schusser, Friedrich-Jahn-Straße 3, 83052 Bruckmühl. Wenn wir die von Ihnen gesuchten Lieder finden, dann schicken wir sie Ihnen zu.
ernst schusser