Bernau – Vor zehn Jahren wurde die neue Orgel in der Bernauer Pfarrkirche St. Laurentius eingeweiht: 27 Register auf drei Manualen und Pedal beziehungsweise 1100 Pfeifen weist die vom Immenstädter Siegfried Schmid erbaute Orgel auf. Und dass die Orgel prächtig, majestätisch erhaben, aber auch himmlisch-sanft und zart klingen vermag, zeigte sich beim Jubiläumskonzert. Hierzu konnte der Orgelförderkreis Judith Trifellner-Spalt als Solistin gewinnen.
Die Vorarlbergerin, die jahrelang als Bad Endorfer Kirchenmusikerin tätig war und seit Herbst 2022 eine der beiden Salzburger Domorganisten ist, bot beim Jubiläumskonzert aber nicht nur beeindruckende Soli quer durch Stilepochen vom Barock bis zur französischen Romantik, sondern hatte auch zwei Trompeter mitgebracht. Josef Neuner und Georg Holzner waren spontan für den erkrankten Samuel Sigl eingesprungen und erfreuten im Zusammenspiel mit der Orgel.
Vier Sätze aus G.F. Händels Suite in D-Dur machten den Auftakt: Kräftiger, sonorer Klang der Trompeten, dennoch zart im Ansatz, dazu die pompöse Registrierung der Orgel – was für ein festlicher Glanz. Nicht minder ergreifend dann das Largo und Allegro aus der Sonata in B-Dur von A. Corelli.
Auch bei den Airs de Triomphe von J.Ph. Rameau versprühte das Trio pompösen Glanz, ohne dass es schwer wirkte. Beim Duett „Wir eilen mit schwachen, doch eiligen Schritten“ aus der Kantate „Jesu, der du meine Seele“, BWV 78 von J.S. Bach versinnbildlichte sich das Eilen: Die Basslinie der Orgel verdeutlichte die „kleinen, doch emsigen Schritte“ durch ihre Bewegungen musikalisch, während die Gesangsstimmen, hier Trompeten, mit aufstrebenden Melodiebögen das „Hineilen“ zu Jesus darstellten.
Vier Solo-Orgel-Werke bildeten dazwischen einen reizvollen klanglichen und stilistischen Gegensatz. D. Buxtehudes Sonate „Komm heiliger Geist Herre Gott“ BuxWV 78 war beschwörendes Flehen. Anna Dorothea Spaltners, übrigens die einzige Komponistin des Abends, Choralbearbeitung harmonisch über das bekannte geistliche Lied „Nun danket alle Gott“ mutete beinahe modern an mit tiefen Pedalklängen und frohlockenden Stimmen in den Manualen.
Das Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 von Bach gestaltete Judith Trifellner-Spalt virtuos. Die straff punktierten Rhythmen vereint mit prachtvoller, fünfstimmiger Harmonik, die immer wieder aufleuchtenden Fugenparte – was für ein brausender und majestätischer Gesamteindruck. Nicht minder großartig lotete Judith Trifellner-Spalt die klanglichen und akkordlichen Möglichkeiten auf der Bernauer Orgel mit C. Francks Choral in a-Moll aus. Das war mehr Symphonie als Kirchenlied, der Einsatz der Zungenstimmen im großen Schwellwerk der Bernauer Kirche verstärkte den Crescendo-Effekt. Das war erhebend, das sorgte für Gänsehaut. Von a-Moll nach C-Dur: Das Concerto für zwei Trompeten und Orgel von A. Vivaldi RV 537 war barocke Daseinsfreude und barocker Glanz: prachtvoll und Ehrfurcht erweckend. Elisabeth Kirchner