Mit Herzblut gespielte Bekenntnismusik von grausamer Aktualität

von Redaktion

Max Kendlinger dirigiert Werke seines Vaters Matthias Georg Kendlinger

Vor über 20 Jahren hat Matthias Georg Kendlinger, geboren 1964 am Walchsee, die Tiroler Festspiele Erl mitbegründet und hat dann sein eigenes Konzertunternehmen aufgebaut, ist mit seinem eigenem Orchester, den „K & K Philharmonikern“, mit Musik von Johann Strauß durch die Welt gereist, hat sich selber das Dirigieren und dann auch das Komponieren beigebracht und für seine Werke im ukrainischen Lemberg, wo seine Musiker herkommen, ein eigenes Festival ins Leben gerufen. Weil dort jetzt Krieg herrscht, sind die ukrainischen Musiker, eben die „K&K Philharmoniker“, ins Festspielhaus Erl gereist und haben dort Kendlingers Musik gespielt. Aus diesem Konzert entstand diese CD.

Dirigiert hat Kendlingers Sohn Maximilian, dies durchaus selbstbewusst, straff, zielstrebig und animierend. Kendlingers Musik zielt auf emotionale Überwältigung, er komponiert gleichsam mit der Löwenpranke. Es dominieren Düstermärsche und Moll-Melancholie mit zwischendrin ein wenig aufgehellter Insel-Idylle, insgesamt herrschen schwerblütig-dunkle Klangfarben. Nur der fröhlich lärmende flotte „Familienmarsch“ sticht durch helle Farben heraus.

Die Werk-Titel sind hochbedeutsam: Bisweilen leicht jazzige Rhythmen finden sich in der Symphonischen Dichtung „Der verlorene Sohn“, die mit zitternden und flehenden Klängen beginnt, sich dann zu wuchtigen Blechbläserdrohungen auswächst und schließlich mahlerhaft aufstöhnt. „Heilung“ nennt sich die harmonisch lind schillernde „Meditative Dichtung für Streichorchester“, vom ukrainischen Orchester balsamisch gespielt, „Galaxy“ heißt das Violinkonzert, in dessen wehmutsvolles Andante der Solist Ihor Muravyov sich hochintensiv-drängend hineinfühlt.

Die 3. Symphonie in es-Moll für Orchester, Chor und drei Solisten behandelt in fünf Sätzen die Menschenrechte, drei Sätze daraus sind auf der CD zu hören: Mit „nachdenklich“ ist das Adagietto betitelt, wieder herrscht der Trauermarsch-Rhythmus, die Pauke legt ein knallig-aufrüttelndes Solo hin, schließlich rufen die Solisten (Anna Shumarina, Oleh Lanovyy, Stepan Drobit) stimmstark die einzelnen Menschenrechte auf, der Chor der K&K Philharmoniker antwortet hymnisch und alle beschwören die Einhaltung der Menschenrechte, die gerade in der Heimat dieser Musiker von Putins Soldaten zerschossen und zerbombt werden: mit Herzblut gespielte Bekenntnismusik von höchst grausamer Aktualität. Die CD ist erhältlich beim Label K21 als Nummer LC 30487.RAINER W. JANKA

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