Wasserburg – Ein nicht alltägliches Klangerlebnis wurde dem Publikum im Rathaussaal geboten. Der Bach-Chor hatte zum Abendkonzert und tags drauf zur Matinee geladen, eine musikalische Inszenierung für Gesang, Klavier und Schlagwerk, deren Besuch sich in jeder Hinsicht lohnte.
Zweimal fast
ausverkauft
Im vierten Jahrzehnt seit seiner Gründung zählt der Wasserburger Bach-Chor zu den renommierten großen Konzertchören zwischen München und Salzburg. Die opulent ausgestatteten Konzerte unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli sind stark nachgefragt. Der Wasserburger Rathaussaal war deshalb auch an beiden Tagen fast bis auf den letzten Platz besetzt.
Der erste Teil in der Matinee wurde überwiegend durch den Kammerchor Incantiamo des Bach-Chors bestritten. Werke von Edward Elgar, Henri Duparc, Bob Chilcott, Daniel Elder, Howard Shore und Karl Jenkins standen auf dem Programm. „Eine Reise ins Glück“ versprach Moderator Stephan Ametsbichler, Dirigent beim Bayerischen Rundfunk und selbst auch Chormitglied. Und sein Versprechen erfüllte sich. Der gelernte Musikwissenschaftler sorgte charmant und unterhaltsam für eine spannende Einführung zu den Liedern. Sir Edward Elgar war beispielsweise von einem Aufenthalt in Garmisch so beeindruckt, dass daraus die Komposition „From the Bavarian Highlands“ für Chor und Klavier entstand. Seine Gattin lieferte wiederum den Text dazu. Lady Alice Elgar transkribierte die in Bayern gehörten Schnaderhüpferl ins Englische.
Reisen kann glücklich machen, manchmal aber auch gefährlich sein. Mit „The Hobbit – An unexpected Journey“ ging es musikalisch nach Mittelerde und zum Drachen Smaug. Komponiert wurde das Stück von Howard Leslie Shore. Der kanadische Dirigent zeichnet nicht nur für die Musik zur „Herr der Ringe Trilogie“ verantwortlich. Shore komponierte auch die Melodien für die meisten Hollywood-Blockbuster der letzten 45 Jahre.
Der Hauptteil des Konzerts war dann elf bekannten Liedern aus der Carmina Burana-Anthologie gewidmet. Entdeckt wurden die mittelalterlichen Handschriften erst um 1803 in der Bibliothek des Klosters Benediktbeuern. Bis dahin waren die Lied- und Dramentexte wohlweislich unter Verschluss – steckten sie doch voller Lebensfreude und praller Sinnlichkeit, die so gar nicht mit der Stille und Enthaltsamkeit des mönchischen Lebens in Einklang zu bringen waren. Carl Orff nahm sich im Jahr 1936 der Vertonung an. Heute zählt die Carmina Burana zum Kanon der Musikgeschichte.
Gesungen wurden die Chorsätze „Fortuna, Glücksgöttin und Herrscherin der Welt“, „Im Frühling“, „Uf dem Anger“ (Auf der Festwiese) und „In der Schänke“ mit dem offenen Bekenntnis zu einem lasterhaften Lebenswandel: „Weder binden Fesseln mich noch die Klosterzellen; meinesgleichen suche ich, Anschluss bei Gesellen“, wie es in der Übersetzung aus dem Lateinischen heißt.
Gelungene
Umsetzung
Die gesangliche Umsetzung durch den Bach-Chor war überaus gelungen. Angelica Heder-Loosli hatte die Konzertfassung für zwei Klaviere, gespielt von Martina Hußmann und Thomas Pfeiffer, und Schlagwerk gewählt. Hier sorgten Yuko Saito, Anno Kesting, Christopher Fellinger, Siegfried Niedermeier und Wolfgang Fischer für den perfekten Rhythmus. Carl Orffs Meisterwerk kam durch die besondere Akustik des Tonnengewölbes im Rathaussaal noch besser zur Geltung. Ergänzend zum Chor traten drei beeindruckende Solisten auf, die Sopranistin Roswitha Schmelzl, der österreichische Bariton Michael Kranebitter und der spanische Tenor Joaquín Asiáin, dessen Stimme selbst im Falsettgesang noch unglaublich warm und schmelzend klang.