Maxlrain – Um die heurige Oper der Opernbühne Maxlrain, „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti, gibt’s zwei Sängerkonzerte als Beiprogramm, eines davon unter dem Titel „Sommerromanze“. Junge Sänger, die Chariklia Apostolu, die Dirigentin der Oper, aus Salzburg mitbringt, präsentieren sich hier.
„Miau“ als
einziger Text
Sie hätten sich aber besser präsentieren können, wenn sie auf der hell erleuchteten Opernbühne im Reitstall des Schlosses Maxlrain gestanden hätten und nicht schlecht beleuchtet vor der Bühne unten.
Und noch besser wäre gewesen, wenn die Sänger samt den gesungenen Arien vorgestellt worden wären – zumal eine Sängerin wegen Krankheit ausgefallen war, deswegen das Programm umgestellt werden musste und dann noch eine nicht benannte rothaarige Sängerin auftauchte, eine Arie sang und wieder verschwand. Da half auch kein gekauftes Programmheft mehr.
Am Ende waren es drei Sängerinnen und zwei Sänger in diesem Arien- und Lied-Reigen. Das erste Duett von Felix Mendelssohn Bartholdy gab das Motto: „Ich wollt, meine Liebe ergösse sich in ein einziges Wort“. Und Liebe ergoss sich in fast allen Variationen, mal tragisch, mal schelmisch, mal witzig, mal erotisch und sogar in Katzensprache, nämlich im Katzenduett von Rossini mit „Miau“ als einzigem Text. Dieses Motto-Duett sangen Katharina Wittmann und Karolina Plicková vollstimmlich üppig, im Timbre fast schwesterlich ähnlich. Katharina Wittmann machte ihren resonanzreichen und weittragenden Sopran dann leicht flitternd in „Il Bacio“ von Luigi Arditi, einer sehnsuchtsvollen Hymne auf den Kuss. Als Operetten-Diva wünschte sie sich volltönend „Spiel auf deiner Geige“ (aus „Venus in Seide“ von Robert Stolz), bekannte, durchs Publikum gehend und die Männer musternd, „Du bist nicht der erste…“ und fragte schelmisch: „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ von Oscar Strauss – hier ein bisschen zu viel Diva und zu wenig Diseuse. Karolina Plicková, in Prag geboren, gab der Nixe Rusalka in tschechischer Sprache alle Liebessehnsucht mit im „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“ von Antonin Dvorak, dramatisch loderte ihr Sopran auf in der italienisch gesungenen großen Arie der „Madama Butterfly“ von Puccini und ganz Musical-leicht sang sie auf Englisch „Ich hätt‘ getanzt heut Nacht“ aus „My fair Lady“. Aus Polen kommt Justyna Ilnicka, eine Sopranistin mit sehr beweglicher Stimme, silbrigem Timbre und quecksilbrigem Temperament. Sie sang auf Polnisch eine Arie der Roksana aus „Król Roger“ von Karol Szymanowski, einer Oper, die von der Erleuchtung des christlichen Königs Roger II. durch einen jungen Hirten handelt, der für heidnische Ideale steht. Spätestens hier bettelt man als Zuhörer um Erläuterungen. Ekstatisch, melismenreich und sich in großen Höhen bewegend ist diese Arie und von innen glühend, leidenschaftlich und sich leicht in diese Höhen aufschwingend, sang die junge Sopranistin diese Arie. Leichtgängige Koloraturen bot sie dann mit ihrem immer von neuem aufstrahlendem Sopran in einer Rossini-Arie aus „Il turco in Italia“. Der Tenor war nicht bloß ein Tenor, sondern ein ganz hoher Tenor, ein Counter-Tenor: Fritz Spengler. Zunächst für die Ohren der Zuhörer ungewohnt, ersang er sich schnell deren Gunst mit einem niemals grellen oder spitzen, sondern leichten und warmen Tenor, sogar ganz sanft trillernd in „Ombra mai fu“ von Händel. Schnelle Koloraturen (in einer frühen Mozart-Arie) kann er ebenso gut wie fließende Melodik (als Orfeo in „Orfeo ed Euridice“ von Gluck). Besonders wirkungsvoll waren die Duette mit dem ungarischen Bariton Máté Herczeg – der leider keine Solo-Arie singen durfte.
Zugabe
um Zugabe
Kess und keck wurde Justyna Ilnicka, als sie mit ihm schwärmerisch „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ zum Besten gab, und hochdramatisch-feurig wurde es, als der Bariton als Silvio der Komödiantin Nedda (Karolina Plicková) seine Liebe erklärte (aus „Bajazzo“ von Ruggiero Leoncavallo). Am Ende wiegten sich alle Sänger im Operettentakt und gaben Zugabe um Zugabe für die begeisterten, nicht sehr zahlreichen Zuhörer.