Chieming/Hart – Bereits am zweiten Tag der Festwoche in Hart bei Chieming gibt es zum ersten Mal musikalisches Vollgas mit dem einzigen Heimatkonzert La Brass Banda diesen Sommer. Alles ist bestens vorbereitet und funktioniert reibungslos. An der Abendkasse, den Getränkeständen und dem Merch-Stand herrscht reger Betrieb. Jeder möchte sich noch vor Konzertbeginn mit allem eindecken, was ihm wichtig ist. Die Stimmungsanheizer Dis M kommen aus Stefan Dettls Heimat, dem Achental, passen mit ihrem Stilmix perfekt zum Partyfeeling und sind für viele Besucher eine echte Entdeckung.
Die Dis M(ühlstetter)-Gang betritt die Bühne und gibt ab dem ersten Satz volle Stimmung und gute Laune. Das Trio bietet bayerischen Mundart-Pop mit einer saftigen Portion Reggae, Ska und Hip Hop. Freilich haben Vorbilder wie der legendäre Hans Söllner und die Spider Murphy Gang eine Hommage verdient. „Stellt‘s euch einfach vor, i bin der Söllner!“, schallt der Ruf ins Publikum. Lauter Beifall – und dann – alles in den Reggae Groove. Dis M punkten aber vor allem mit den eigenen Songs und ihren launigen Anmoderationen. Lustige Geschichten und Begebenheiten und Heimatverbundenheit stecken oft hinter den Texten, und eine der wichtigsten Bezugspersonen ist die Oma. „Die hat eine Alm hinter Kitzbühel, auf der wir oft und viel waren und da unsere Texte geschrieben haben.“ Bei fast allen Liedern ist es ein Riesenspaß alles mitzusingen und so sind wir mit dem „Goodbye“-Reggae schon alle mit einem freudigen Lächeln im Gesicht bestens eingestimmt auf La Brass Banda.
Stefan Dettl und der Band ist ein besonderes Anliegen: „Mir woin, dass eich olle guad geht und jeder eine Mordsgaudi hat.“ Zur Fanfare marschiert die gesamte Band ein und mit dem „Bauwogn“ geht die Party los. „VW Jetta“, „Danzn“ oder „Autobahn“ – die lange Karriere von La Brass Banda hat unzählige Hits hervorgebracht. „Mia spuin iatz einfach zwoa Stund‘ voi durch und ham a Riesengaudi“ ruft Dettl, reißt die Trompete hoch, spielt wie der Teufel und hüpft und springt dabei wild wie ein Derwisch. Auch die anderen Musiker sind ständig in Bewegung. LBB live ist eine brachiale Urgewalt, der sich niemand entziehen kann. Bewegung, Singen, Tanzen, Springen – der Funke springt sofort auf das Publikum über und alles geht automatisch. „Wenn oana nach dem Konzert ned schwitzt und außer Atem ist, ham mia wos foisch g’macht!“ verspricht Dettl und hält Wort. Mit dem Text beim Speedtempo-Song „Bauernbua“ können die wenigsten mithalten, Dettl bricht damit eine Lanze für „Alle Bauern, die ihr Bestes geben, damit wir genug und was Gesundes zum Essen haben.“ Jeder Musiker erhält reichlich Raum für Soli und Improvisationen, die frenetisch abgefeiert werden. Besonders vorgestellt werden „die Neuen“. Tubist Matthias Hofman ist ehemaliger Schüler von Ex-LBB Stefan Huber, hat die Tuba beim Ur-LBB Professor Andreas Martin Hofmeir studiert. Gitarrist Julian Buschberger hat bereits mit Stars wie Nigel Kennedy, Robert Plant, Jen-Luc Ponty und Parov Stelar getourt, und ist seit der Biergarten-Tour letzten Sommer dabei. Der Linzer überzeugt nicht nur mit seiner banddienlichen und treibenden Saitenkunst, sondern reißt das Publikum mit seinen Soli zu weiteren Begeisterungsstürmen hin. Mit der Hymne „Berg“, A cappella gesungen von der gesamten Band (und den Fans) findet das Freudenfeuer einen abschließenden Gänsehautmoment. Maria Ortner