Rosenheim – Mit drei bemerkenswerten Auftritten fand das Bayerische Landesjazzfestival in der Rosenheimer Erlöserkirche seinen gebührenden Abschluss. Nachdem die Harfenistin Evelyn Huber zusammen mit dem Perkussionisten Thomas Sporrer mit feinfühligen und mystischen Improvisationen das Publikum meditativ eingestimmt hatte, kam es mit dem Trio „Renner“ zum kammermusikalischen Höhepunkt des Festivals.
Feingliedrig durcharrangiert
Die beiden Brüder Moritz Renner an der Posaune und Valentin Renner an den Drums präsentierten mit Nils Kugelmann am Kontrabass feingliedrig durcharrangierte Eigenkompositionen, die sich, grob gesagt, stilistisch zwischen Jazz und moderner Klassik bewegten.
Nicht zu Unrecht hat diese seltene Besetzung mit ihrer außergewöhnlichen Musik dieses Jahr den Förderpreis des Bayerischen Jazzverbands gewonnen, denn alle drei zeichnen sich an ihren Instrumenten durch große Virtuosität und ein breites Gestaltungsspektrum aus. So trommelte Valentin Renner, der auch als Moderator des Trios fungierte, komplex strukturierte Rhythmen von zurückhaltender Besenarbeit bis hin zu lebhaft-wilden Beats.
Moritz Renner blies seine Posaune mal schwebend zart, mal rau und jubilierend, wobei er verschiedene Fertigkeiten vom Einsatz des Plunger-Dämpfers bis hin zu an Albert Mangelsdorf geschulter Anblastechnik nutzte. Als gleichwertiges Melodieinstrument setzte Nils Kugelmann seinen Bass ein, indem er diffizile Melodiefolgen, Kontrapunkte oder Ostinati zupfte und auch mal sparsam Töne andeutete oder perkussiv spielte.
Alle Kompositionen, vor allem aus der Feder von Moritz Renner, folgten einer strengen Dramaturgie mit Steigerungen zu ekstatischen Höhepunkten und Zurücknahmen zum Pianissimo, wie beispielsweise das Stück „Motus“. In der „Signalstraße“ drückten verschiedene Klänge und Rhythmen die bewegte und kommunikative Lebensweise der Musikstudenten aus, und „Blessing“, die einzige Komposition Valentin Renners, in der er ein Tauflied seines Vaters verarbeitet hat, verdichtete sich von einem einfachen Drei-Töne-Motiv zu epischer Breite. Mit einem lyrischen Thema als Zugabe, das ihrem WG-Mitglied gewidmet ist, beendete das Trio sein in jeder Hinsicht gelungenes Konzert. Nach den Studenten trat dann ein Sextett aus erfahrenen Dozenten des Jazz auf die Bühne. Mit der Hardbop-Komposition „This is for Albert“ aus der Feder des im März verstorbenen Saxofonisten Wayne Shorter startete das Bayerische Landes-Jazz-Ensemble den abschließenden Konzertpart.
Die sechs Musiker in der Besetzung der berühmten Jazzmessengers um Art Blakey erwiesen sich dabei selbstredend als virtuose und stilistisch authentische Solisten: Unter dem Einfluss Benny Baileys und Freddie Hubbards improvisierte Claus Reichstaller zupackend, mit geschmackvoll eingesetzten Höhenflügen und gestochen artikulierten Melodielinien, deutlich hörbar beispielsweise in Duke Pearsons frühen funkiger Nummer „Sweet Honey Bee“.
Sein „Blech-Kollege“ Jürgen Neudert stand ihm dabei in nichts nach und blies seine Posaune wendig und in großem Tonumfang. Aus dem ursprünglich eher lyrischen Standard „Alone Together“ hatte er ein interessant klingendes Hardbop-Arrangement gemacht. Rudi Engel zupfte darin ein melodiöses Bass-Solo und Bastian Jütte ließ das Thema in ein rollendes Schlagzeug-Gewitter münden. Jütte, der einfühlsam Akzente setzte, hatte die choralartig anmutende Komposition „Shadows and Silverlining“ beigesteuert und extra für den Auftritt in der Kirche arrangiert.
Dem Charakter des Stücks angepasst, gestaltete Till Martin ein mystisches Solo auf dem Tenorsaxofon, während er sich ansonsten stilistisch zwischen Sonny Rollins, Hank Mobley und Wayne Shorter bewegte und mit warmem Ton geschmeidige Linien intonierte.
Mit allen
Wassern gewaschen
Auch der mit allen Wassern des Jazz gewaschene Pianist Tizian Jost, der den entscheidenden Anstoß für das Jazzfestival gegeben hatte und kenntnisreich durch das Programm führte, konnte eine eigene Komposition vorstellen: Mit „Canto da Liberdade“, einem brasilianischen Baião, setzte das vorbildlich aufeinander eingespielte Ensemble den offiziellen Schlusspunkt, durfte aber erst nach der groovenden Zugabe „Moving Out“ von der Bühne.