Rosenheim – Der Sänger und Schauspieler Manfred Stecher (55) ist in Rosenheim geboren, hat am Ignaz-Günther-Gymnasium Abitur gemacht, ist international viel unterwegs und wohnt jetzt wieder in Rosenheim. Am Samstag, 16. März, um 20 Uhr gibt er mit seiner Gruppe „The Munic Harmonists“ ein Galakonzert im Ballhaussaal mit Musik der legendären „Comedian Harmonists“.
Im Interview erzählt er, wie er zu dieser Musik kam, wie er schon als Bub zwischen zwei Betten Theater gespielt hat und wie er es beinahe bis zum Finale des Grand Prix Eurovision geschafft hätte.
Herr Stecher, wie sind „The Munic Harmonists“ entstanden?
1998 bis 2004 hatte ich eine Truppe, die die Geschichte der „Comedian Harmonists“ erzählte – wir waren die ersten! Wir hatten die Originalrechte für einige Jahre exklusiv und sind weltweit unterwegs gewesen. Wir haben das mit dem Schauspiel „Die Comedian Harmonists“ von Gottfried von Greiffenhagen verbunden und es in der Komödie im Bayerischen Hof gespielt mit der musikalischen Einrichtung von Franz Wittenbrink. Danach erst kam der Film!
Ich habe den Gruppengründer Harry Frommermann gespielt. Wir haben uns „The Munic Harmonists“ genannt, weil das international klingt, wenn wir wieder mal ins Ausland kommen.
Dafür haben Sie 2000 den „Merkurpreis“ bekommen.
Genau, das war eine sehr schöne Ehrung. Das hat übrigens auch den Ralph Siegel dazu gebracht, dass er uns für den Grand Prix Eurovision (den heutigen Eurovision Song Contest) engagiert hat. Wir sind schon bei der Vorentscheidung aufgetreten – bis die Intendantin der Komödie im Bayerischen Hof uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, weil wir dann ja gar nicht mehr dort hätten auftreten können!. War trotzdem eine schöne Erfahrung.
Wessen Idee war es überhaupt?
Die „Comedian Harmonists“ waren meine Idee, weil ich immer schon gern in den 20er- und 30er-Jahren unterwegs war. Ich glaube, ich habe schon mal gelebt in dieser wilden Zeit! (lacht) Wobei ich bei meinen Moderationen schon darauf hinweise, dass es eine Zeit zwischen zwei Weltkriegen war.
Wie kam es zur Entstehung von Galakonzerten?
Die Idee entstand, als ein Schauspielerkollege krank geworden ist. Wir konnten kein Schauspiel auf die Bühne stellen, also haben wir das mit unserem Pianisten konzertant aufgeführt. Diese Galas haben einen so großen Erfolg gehabt, dass wir gedacht haben: Machen wir Galavorstellungen!
Erzählen Sie in diesen Galavorstellungen auch das Leben der „Comedian Harmonists“?
Ja, wir erzählen ein bisschen die Geschichte, die wir gespielt hätten. Ich erzähle aber auch von der jetzigen Zeit, aber immer wieder im Vergleich zu damals – es ist ja ein hochaktuelles Thema: Drei Juden, deutsche Verfolgung – es hört ja nie auf in unserer Welt.
Und haben Sie auch einen guten ersten Tenor, mit dem ja doch alles steht und fällt?
Das ist sehr wichtig, ja. Es ist Klaus Steppberger. Es müssen ja keine großen Opernstimmen, sondern silbrige Stimmen sein. Wichtig ist: Keiner darf den Solisten spielen, wir müssen uns in ein Ensemble integrieren. Das macht den Reiz aus.
Und wir kam es zur Neuauflage des alten Projekts?
2019 kam die Idee, dass wir das noch mal machen. Wir hatten eine gute Besetzung zusammen – und dann kam Corona. Da ist mir diese Besetzung unter der Hand weggeglitten, weil jeder in der Not für sich selber gekämpft hat. Dann habe ich noch mal ein Casting gemacht – und ich glaube, diese Jungs sind sängerisch noch mal besser.
Ich habe Sie mit Ihrem Zwillingsbruder Alexander ja schon als Schüler kennengelernt: Da wollten Sie schon mit Macht auf dir Bühne.
Das wussten wir schon als Kinder! Wir haben von Bett zu Bett eine Decke gespannt und ein Schauspiel gemacht, das mussten sich alle Onkel und Tanten anschauen. Wenn man ganz fest an seinen Traum glaubt, setzt man das auch um.
Sie haben am Mozarteum in Salzburg studiert.
Ja – mein Bruder hat erst Schauspiel studiert, ich wollte das auch, war aber auch sehr von der Musik besessen. Ich habe es über den Umweg mit dem Klavier gemacht. Da sollte ich viele Sänger begleiten, habe mir aber dabei gedacht: Als Sänger stehst du auf der Bühne, als Begleiter bist du immer nur der „Begleiter“! Dann habe ich Gesang studiert, aber auch noch Schauspiel. So war ich bei den Sängern immer der Schauspieler und bei den Schauspielern der Sänger. Einmal durfte ich „Jeeedermaaan!“ rufen bei den Salzburger Festspielen und war dann in der Tischgesellschaft beim „Jedermann“. Und einmal bin ich mit meinem Bruder als kriminelles Brüderpaar in einem „Derrick“-Krimi engagiert worden. Zusammen sind wir mit „Fratelli Projects“ aufgetreten mit Musik aus Pop und Klassik.
Und als was würden Sie sich jetzt bezeichnen?
Ich bin singender Schauspieler und schauspielender Sänger! Ich liebe beides.
Interview: Rainer W. Janka