Wasserburg – Zum Thema „Worte“ hat Rainer Devens einen breit gefächerten Bilderzyklus geschaffen. Der Wasserburger Maler hat 57 ausgesuchten Werken ein Kunstbuch mit dem verdienten Titel „Buch-Kunst – Im Garten der Worte“ gewidmet.
Gedruckte
Quintessenz
Mit Rainer Devens untrennbar verbunden sind die bemerkenswerten, narrativen Ansichten der „Wasserburger Häuser“. Jetzt hat der Maler sein zweites Kunstbuch „Im Garten der Worte“ herausgebracht. Das im Wasserburger creAstro-Verlag erschienene Werk ist die gedruckte Quintessenz seiner Schaffensperiode zu Wörtern und den wechselseitigen Beziehungen zwischen Wort und Bild.
Anlässlich einer Matinee im Museum Wasserburg wurde der neue Bildband und die dazu gehörigen Originale mit einer originellen Lesung und musikalischen Bildern vorgestellt. Helge Leuchs führte als Sprecher durch Devens‘ „Garten der Worte“. Viele unterhaltsame Erkenntnisse aus Sprachwissenschaft, Philosophie und Psychologie wusste der Rezitator zu berichten. Komponist Ernst Hofmann begleitete die Buchpräsentation auf dem Piano mit den passenden Arrangements.
Ob nun wie in der Bibel am Anfang der Schöpfung das Wort oder wie in Goethes Faust die Tat gestanden hat, ist eine Glaubensfrage. Sicher aber ist: „Im Garten der Worte“ sprechen Bilder. Das Wort wird in farbenprächtigen Bildassoziationen zum Hauptdarsteller im Bildband. Rainer Devens findet die Synthese zwischen Wort und Bild. In seinen Gemälden werden Bilder zu Worten und umgekehrt. Mit Ironie und Sachverstand entsteht ein anschauliches Erklärungsprinzip abstrakter Begriffe.
Begriffe in
Gemälden illustriert
Rainer Devens verbildlicht Wörter wie Macht, Einfluss, Kommunikation, Kultur und Vergnügen durch die Bildmotive. „Große Worte“, „Letzte Worte“, „Die Behauptung“ und „Das Gerücht“ finden sich in Acrylfarbe auf Leinwand in den Gemälden oder in Zeichnungen illustriert. Auch die künstliche Intelligenz (KI) als jüngster Hype ist als Begrifflichkeit im Bilderreigen vertreten. Devens betitelt die KI als „Neue Tafeln für die Menschheit“, wohl in Anspielung auf die Zehn Gebote, die Moses dem Tanach nach auf zwei Steintafeln geschrieben direkt von Gott erhalten haben soll.
Bei den gegenständlichen Darstellungen hat Sigmund Freud auf einem pittoresken Porträt im Buch einen würdigen Platz gefunden. Der Nervenarzt und Begründer der Psychoanalyse hat mit seinen Worten zur Erforschung von Träumen und des Unbewussten das psychologische Verständnis im 20. Jahrhundert wesentlich geprägt. Ob es nun als Ironie des Schicksals zu verstehen ist, dass Freud in den letzten 16 Jahren seines Lebens die Worte genommen wurden, wie es psychosomatisch geprägte Analytiker gerne tun, sei freilich dahingestellt. Freud litt an einem Mundhöhlen- und Kehlkopfkarzinom und konnte nicht mehr sprechen.