Bruckmühl – Einen humorig-musikalischen und höchst amüsanten Abend boten die „Neurosenheimer“ bei ihrem Auftritt gleich um die Ecke von ihrem Daheim mit einer der kürzesten Anreisen zum Konzertort, wie sie selbst betonten. Von Beginn an hatten sie das Publikum in der ausverkauften Kulturmühle in ihren Bann gezogen. Es sang bei den Liedern mit und interagierte auf Anweisung von der Bühne mal im männlichen und mal im weiblichen Chor.
Mit Geschichten aus dem Leben, dem Alltag, über Traditionen und gespickt mit Musik von 20 Instrumenten gab es Lieder zum Auftanken für die Seele sowie politische Warnungen vor dem Rechtsruck. Melodisch verliehen die vier Musikkabarettisten ihrem innigen Wunsch Ausdruck, einmal bei einem Volksfesteinzug mitgehen zu dürfen.
Erfrischend herzlich und erfrischend satirisch nahmen die drei Musikerinnen Katrin Stadler, Katrin Zellner und Marita Gschwandtner samt Tubabläser Tobias Hegemann das Leben in Bayern aufs Korn und kreierten dabei neue Wörter und gründeten den mittlerweile schon fast legendären TKEV (Traditionskocherhaltungsverein Erdäpfebratl).
Die „Neurosenheimer“ singen und spielen unerschrocken ihre eigenen bayerischen Lieder. Dabei begleiten sie sich selbst mit zahlreichen Instrumenten – teils bekannt, teils ungewöhnlich. So kamen auch tibetanische Nasenflöten und eine Claviola zum Einsatz.
In ihren Liedern besingen sie mit viel Feinsinn schon mal die Stadt Rosenheim oder das Lied vom skeptischen Oberbayern Sepp mit dem Rhythmus einer afrikanischen Trommel. Die Lieder handeln von Rosenheim, vom Leben in Bayern und von den Neurosen der „Neurosenheimer“ und ihrer Mitmenschen. Viele ihrer Stücke bringen einen zum Lachen oder versetzen den Zuhörer in einen angenehmen Schmunzelstatus, andere Stücke regen zum Nachdenken an. Angesichts der aktuellen Diskussion um Radikalismus passte dabei das Lied „Platz do!“ wieder gut ins Programm, fanden die Neurosenheimer. Dieses befasst sich ursprünglich mit der Flüchtlingssituation, „doch ist aktuell passender denn je“, wie Katrin Stadler sagte mit Blick auf den wortwörtlichen Text: „Hey, macht’s moi Platz do, mir ham doch Platz do! Ge, geht’s auf d’Seitn, ruckt’s a Stickl, bloß auf gor koan Foi nach rechts! Hey, macht’s moi Platz do, mir ham doch Platz do! Und glabt’s ma, bloß, weil wos wos‘ Fremds is, is doch des ned glei wos Schlechts!“
Für diese Darbietung gab es viel Applaus. Überhaupt spielen die „Neurosenheimer“ weder herkömmliche Volksmusik, noch machen sie übliches Kabarett. Sie haben ihren ganz eigenen Stil, was einen Abend mit der Gruppe zu etwas Besonderem macht. Weitere Lebensregel an diesem Abend war „Nur ned hudln“ und die satirische Vertonung des Moments bei Unterhaltungen, wenn man sich denkt: „So genau wollt i des gar net wissen“ und ungefragt private Geheimnisse mitgeteilt bekommt. Das begeisterte Publikum ließ die Künstler nicht ohne eine Zugabe von der Bühne, worum diese sich nicht lange bitten ließen.Cornelia Ahrens