Der Zauber und die Bedeutung des indischen Tanzes

von Redaktion

Aischarya Brahma gibt im Rosenheimer „Affekt“ anmutige Einblicke in eine uns ferne Kultur

Rosenheim – Ein Kulturzentrum der besonderen Art: das „Affekt“ in der Wittelsbacherstaße. Dort finden die verschiedenartigsten Events statt: Theater, Performance, Lesungen, Ausstellungen. Nur eines wird man vergebens suchen, nämlich kommerziellen Mainstream.

Aktuell stand auf dem Programm „Shakti – indischer Theatertanz“. Aischarya Brahma lebt seit Langem in Rosenheim und hat als Wissenschaftlerin im Pharmabereich promoviert. Sie brachte gewissermaßen die indische Tanzkultur im Gepäck mit nach Europa, um dort ein Stück unverlierbarer Heimat pflegen zu können. Zugleich möchte sie für diese Kultur hierzulande Verständnis wecken. Ist diese Welt uns zu fremd? Alle Kulturen pflegen das nicht in Worten Fassbare in Bildern sichtbar und erfahrbar zu machen. So ist denn Shakti eine aus dem Feuer geborene Göttin, die zugleich eine „schöne und intelligente Frau“, eine „liebevolle Mutter“, aber auch eine „erbarmungslose Kriegerin“ verkörpert. Dies sind physisch-charakterliche Befindlichkeiten, die übrigens auch dem maskulinen Geschlecht eigen sein können. In jedem Menschen steckt also mehr oder weniger „Shakti“, die als universale weibliche Energie definiert wird. Shakti gibt uns „die Kraft, freundlich, mutig und glücklich in jeder Situation zu sein“.

Die elegante und perfekte Körperbeherrschung der in traditionell indischer Kleidung auftretenden Aischariya Brahma ließ gar nicht erst den Geruch einer Schulstunde aufkommen, zumal die Tänzerin charmant, unaufdringlich und in wohlklingender deutscher Sprache die spirituelle Seite des Tanzes anschaulich erzählte.

Schwer zu sagen, ob man durch das Erlebnis dieses Theatertanzes schon zu innerer Ruhe kam oder gar zur intendierten Achtsamkeit – auf jeden Fall verfolgte das überwiegend weibliche Publikum die Darbietung ergriffen und fasziniert.

Die ineinanderfließenden Bewegungen empfand man wie eine ins Optische übertragene Musik: Themen und Motive werden zu farbigen Harmonien verwoben, Übergänge zu neuen Melodien bauen Spannung auf. Die minutiös ausgefeilten zierlichen Gesten und Schritte lassen die schöne Göttin sichtbar werden, die zum Geben und Schützen geöffneten Handflächen die liebende Mutter, und schließlich darf auch ein harmonisch in sich ruhender Mensch Aggressionen zeigen, wenn der böse Nachbar unleidlich werden sollte…

Herzlichen und dankbaren Beifall gab es für die kulturelle Botschafterin Aischarya Brahma. Es scheint im Grunde keine „fremden Kulturen“ zu geben. Wenn man die Bilder der verschiedenen Mythologien richtig deutet, haben wir Erdenkinder wesentlich mehr Gemeinsamkeiten, als es sich unaufgeklärte Zeitgenossen träumen lassen.Walther Prokop

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