Kilobytes, Kopien und künstliche Intelligenz

von Redaktion

Ausstellung der Künstlerkolonie Brannenburg beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Analogem und Digitalem in der Kunst

Brannenburg – Die aktuelle Ausstellung der Neuen Künstlerkolonie Brannenburg „Analog : Digital“ feierte mit einer gut besuchten Vernissage einen erfolgreichen Auftakt. Vorsitzender Dr. Dr. Georg Werner begrüßte die zahlreichen interessierten Besucher und Künstler, darunter auch Michaela Firmkäs, die Projektleiterin des zugehörigen Gemeinschaftsprojekts „Analog!“ des Museumsnetzwerks Rosenheim.

Er räumte ein, dass einige Künstler nach Bekanntgabe des Ausstellungsthemas zunächst etwas irritiert reagiert hätten. Thaddäus Müller aus Stephanskirchen, der mit einer kurzen Präsentation in das – nicht nur für Kunstschaffende – spannende Thema der Ausstellung einführte, bestätigte dieses Gefühl der Skepsis, das sich häufig bezüglich Aspekten wie Fake News und Reproduzierbarkeit einstellt. Müller, der von 2010 bis 2015 eine Ausbildung an der Prager Fotoschule Österreich im Lehrgang angewandte und künstlerische Fotografie absolvierte und seit 2023 Mitglied der Neuen Künstlerkolonie ist, ging zunächst anhand anschaulicher Bildbeispiele auf grundlegende Unterschiede zwischen „Dingen und Daten“, sprich analoger und digitaler Welt, ein. Digitale Daten schließlich sind nur in deren analogen Verkörperungen durch Sinneswahrnehmung erfahrbar. Ein entscheidender Vorteil digitaler Daten stellt deren – von technischen Schwierigkeiten abgesehen – beliebige Veränderbarkeit, Speicherung und Übertragung an ein theoretisch unbegrenztes Publikum dar: schlicht unmöglich etwa bei einer meterhohen, tonnenschweren Marmorstatue. Andererseits entsteht dadurch natürlich Gelegenheit zum Missbrauch und Datenklau.

Im Anschluss konnten Müllers Ausführungen anhand der unterschiedlichsten künstlerischen Interpretationen studiert werden: Die 29 Exponate umfassende Ausstellung zeigt unter anderem Werke der „klassischen“ Malerei, Druck, Fotografie, Collage, Objekte sowie Mischformen und digitale Kunst. Die thematische und technische Vielfalt der ausgestellten Werke beeindruckte. Auch das ebenso unvermeidliche wie kontroverse Thema KI wird angerissen. So umfasst beispielsweise das Triptychon „1. Mai“ von Peter Hofmann ein von Ludwig Moser in Bad Aibling geschossenes Foto dreier Beinpaare auf regennasser Straße, ein Gemälde auf Sackleinen nach dieser Vorlage von Gerd Behringer, mit dessen Beschreibung wiederum Thaddäus Müller mittels Foto-KI ein neues Werk erschaffen hat. Eine einmalige Gelegenheit für alle Kunstinteressierten, in die Kunst der Zukunft hineinzuschnuppern und sich aus erster Hand eine eigene Meinung über das Spannungsfeld und die Möglichkeiten analoger versus digitaler Kunst zu bilden. Claudia Pfurtscheller

Bis 16. Juni

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