Genuss, Andacht, Tod und Neugeburt

von Redaktion

Die 30. Bad Endorfer Orgelwochen enden mit dem Mozart-Requiem

Bad Endorf – Man könnte rätseln, warum die Bad Endorfer Orgelwochen ihr 30-jähriges Bestehen im Schluss-Festkonzert, das auch Bestandteil des Musiksommers zwischen Inn und Salzach war, mit einem Requiem feierten. Doch immerhin stand auf dem Programm auch eine Uraufführung: also gleichsam Tod und Neugeburt in einem. Pfarradministrator Gottfried Grengel wünschte den Zuhörern in der ausverkauften Jakobuskirche „Genuss und Andacht“ zugleich und wies darauf hin, dass im Requiem auch die Hoffnung auf ein Weiterleben aufscheine: also alles in allem ein dialektisches Konzept.

Stürmischer
Auftakt

Das Konzert begann mit einem Orgelstück, der Toccata und Fuge in E-Dur BWV 566 von Johann Sebastian Bach. Der junge Aaron Voderholzer begann energisch, fast stürmisch, wurde dann in der ersten Fuge emsig eilend-beschwingt und sonnig-heiter, als wolle er die Sonne, die genau in diesem Moment in die Kirche schien, musikalisch malen, und endete gewichtig mit der zweiten Fuge.

Die musikalische Neugeburt war ein „Salve Regina“ für Solisten, Vokalensemble und Orgel. Der Komponist Michael Kapsner ist 1961 in Passau geboren und lehrte als Orgelprofessor in Trossingen, Graz und Weimar. Seine Version dieses Hymnus‘ umspielt, verändert, löst auf, erweitert und bereichert akkordisch die ursprüngliche Choralmelodie, wird beim Wort „spes“ flehend leise und endet feurig-inniger und gleichzeitig ausladender mit den Worten „O clemens, o pia, o dulcis mater Maria“. Die Soli waren gut eingebettet in den musikalischen Ablauf.

Den Novitätspreis dafür bekommt der Komponist nicht, alles ist moderat modern, farbig und mit einer Prise Rhythmik versehen – selbst Hugo Distler, der 1942 gestorben ist, klingt da moderner.

Danach begab sich das Vokalensemble von der Empore herab zum restlichen Chor, der nun als „Konzertchor Allegro con brio“ den Chorraum in der Breite gänzlich ausfüllte – ein schier monumentaler Rahmen für Mozarts Requiem. Der in allen Stimmlagen gleich gut besetzte Chor vereinte Sänger des Jakobuschores mit Sängern aus dem Chiemgau und Mitgliedern des Domchors Salzburg und war hörbar gut einstudiert, sang freudig-animiert und blockhaft gewichtig, bot im Kyrie befeuerte Koloraturen und strahlte im Sanctus kräftig auf.

Man sah und spürte, dass die Dirigentin Judith Trifellner alle auf genaue Artikulation der Konsonanten eingeschworen hatte – was aber nicht immer durchdrang. So klang das eigentlich angstzitternde „Rex tremendae“ genau wie das höllenfeurige „Confutatis“ etwas weicher als verlangt, weil die Punktierungen nicht hart genug artikuliert waren. Die Blechbläser tönten je nach Stimmung schaurig oder wohlig, die Bassetthörner warm und die Streicher markierten im tränenreichen „Lacrimosa“ genau die Seufzerfiguren.

Glücklich gewählt war das Tempo im „Benedictus“, so dass sich die Solisten gut entfalten und harmonisch aufeinander eingehen konnten. Schon im „Tuba mirum“ präsentierten sie sich: Thomas Hamberger besang die Gerichtsposaune nicht furchterregend, sondern mit noblem Bass wie ein milder Richter, der Güte ausstrahlt – als wollte er die hoffnungsfrohen Worte des Pfarradministrators unterstreichen.

Applaus
will nicht enden

Richterlicher klang da schon der opernpathetische Alt von Monika Wäckerle. Hell, gut durchklingend und sympathisch timbriert war der Tenor von Bernhard Berchtold und schönfließend mit müheloser Höhe der Sopran von Christina Gerstberger

Weil der hochbegeisterte Schluss-Applaus nicht enden wollte, gab’s noch eine Zugabe, nochmal von Mozart: sein „Ave verum“, in das auch die Solisten ehrfürchtig-fromm miteinstimmten. Der Wunsch nach Genuss mit Andacht wurde erfüllt.

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