Gars – Skandinavien zu Gast in der Klosterkirche Au: Eingeladen hatte Martin Kebinger, Kirchenmusiker der Pfarrei, den dänischen Organisten und Glockenspielspezialisten Povl Christian Balslev, einen Musiker mit internationalem Renommee. An diesem besonderen Orgelnachmittag brachte Balslev einem kundigen Publikum einen bunten Reigen kleinerer, meist liedhafter Stücke dänischer Komponisten aus vier Jahrhunderten zu Gehör.
Wie in einer Zeitreise konnten die Zuhörer den zunehmend moderneren und dissonanteren Klängen der erneut beeindruckenden Mathis-Orgel folgen. In bestechender Präzision an Spieltisch und Pedal verstand es Balslev, die Hörer mit Werken von Dieterich Buxtehude, Morton Ræhs, Christoph Ernst Friedrich Weyse, Johann Peter Emilius Hartmann, Niels W. Gade, Albert Holm, Rued Langgaard und Jesper Madsen und ihren teils einschmeichelnden Melodien, aber auch zuweilen volltönenden Akkorden in Bann zu ziehen.
Mit der gelungenen Auswahl und Abfolge der Stücke gelang es dem Sohn aus protestantischer Pfarrersfamilie, der als Organist und Chorleiter an der Kirche „Unsere Liebe Frau“ in Svendborg wirkt, das Motto „Musik ist die halbe Predigt“ sinnfällig umzusetzen. Höhepunkte des Konzerts waren schließlich drei Eigenkompositionen, darunter die Uraufführung eines „Assumptio Mariae“ genannten Stückes, das den mit viel Beifall bedachten Abschluss bildete.
Zuvor hatte Balslev mit seiner Toccata „Nun danket alle Gott“ der Orgel Gelegenheit gegeben, die Klangschönheit aller ihrer Register zu präsentieren. Die „Himmelfahrt Mariens“, der Pfarrgemeinde Au gewidmet, begann mit erdverhafteten dunklen Tonfolgen, die in der Mittellage klare Formen annahmen, als wollten sie ein von tiefer Glaubenszuversicht geprägtes Marienleben illustrieren. Zunehmend bewegte sich dann das einprägsame Leitmotiv in hellere, ätherische Gefilde, um sich am Ende im Pianissimo in die höchsten Töne zu begeben und sich ganz in der himmlischen Sphäre aufzulösen. Bruno Münch