Wasserburg – Die bayerischen Privattheater treffen sich derzeit wieder zu den 18. Theatertagen im Theater Wasserburg. Wie erwartet war die Eröffnungsveranstaltung mit Udo Samel und Gerd Wameling ein leuchtender Fixpunkt.
Denn die angekündigte, szenischen Lesung des Dramas „Halpern & Johnson“ von Lionel Goldstein sollte sich zu einem Kammerspiel der Extraklasse entwickeln. Joe Halpern muss nach über 50 Jahren Ehe seine Frau Flo beerdigen. Einsam steht er an ihrem noch frischen Grab, als plötzlich ein Fremder mit einem Blumenstrauß auftaucht.
Ärger über
Nebenbuhler
Der Mann stellt sich als Dennis Johnson vor. Er sei der frühere Geliebte von Florence. Nach deren Heirat sei die Beziehung allerdings nur noch rein platonisch gewesen, dafür aber sehr vertraut und fortwährend bis zu Florence Tod.
Halpern ist außer sich vor Ärger über seinen Nebenbuhler, der offensichtlich viel mehr über seine Frau weiß als er selbst. Denn bei den Treffen zwischen Florence und Dennis ging es um Kunst, Politik und bisweilen auch über sehr intime Familienangelegenheiten.
Die Wut ist groß; Joe fühlt sich als betrogener Ehemann. Und so kommt es Halpern recht gelegen, es Johnson irgendwie heimzuzahlen.
Er erzählt Johnson, dass er seine Flo jahrelang betrogen hat, und das bevorzugt auf den Kartonagen, die in seiner Firma hergestellt werden.
Dieses Eingeständnis wiederum bringt nun auch Johnson zum Kochen; er hat seine Florence bis zu ihrem Tod geliebt, ohne von ihr mehr zu verlangen. So entspinnt sich zwischen den beiden Männern ein hochemotionaler Disput, da sich jeder irgendwie betrogen fühlt. Schließlich merken Halpern und Johnson, wie viel sie letztendlich gemeinsam haben.
Am Ende entsteht eine Freundschaft zwischen zwei grundverschiedenen Männern, die den Verlust der geliebten Flo beziehungsweise Florence erträglicher werden lässt.
Gerd Wamelings „Johnson“ war eher besonnen, so wie man es von einem vereidigten Buchprüfer auch erwarten würde. Doch sein Ziel, Florence zumindest geistig nahe zu sein, hatte er die ganze Zeit hinweg nie aus den Augen verloren.
Udo Samels „Halpern“ hingegen war aufbrausend, ein Choleriker, wie er im Buche steht. Je mehr Johnson über Florence` Wesen und ihre Interessen erzählte, um so wütender wurde er über das, was ihm auch nach 50 Jahren Ehe verborgen blieb.
„Um (mit ihr) über Politik zu reden, braucht man gewisse Grundkenntnisse“, so Halpern. „Die haben Politiker ja auch nicht“, konterte Johnson.
Den Spagat zwischen Drama und Komödie derart elegant zu meistern, zählt im Theater nicht gerade zu den leichten Aufgaben. Mit „Halpern & Johnson“ als Auftakt zu den Theatertagen ist diese Herausforderung in jeder Hinsicht gelungen. Lionel Goldsteins Stück bietet in seiner ausgewogenen Balance zwischen Tragik der Handlung und Sprachwitz dazu eine Steilvorlage. Erfolgsentscheidend aber waren die beiden Protogonisten des Abends.
Unterhaltsam
und berührend
Udo Samel und Gerd Wameling überzeugten in diesem gleichermaßen unterhaltsamen wie berührenden Kammerspiel, das viel mehr als nur eine Lesung war. Beide sind natürlich ein routiniertes, eingespieltes Duo. Beide haben „Halpern & Johnson“ schon viele Male gespielt.
Und dennoch wurden die beiden Ausnahmedarsteller keine Minute müde, sich immer wieder wechselseitig in ihrer schauspielerischen Brillanz zu überbieten.